Einsatzkommando Tilsit

Das Einsatzkommando Tilsit war eine Gruppe innerhalb der SS, gebildet aus Kräften der Staatspolizeistelle Tilsit und der Ordnungspolizei Memel, die gemeinhin zu den SS-Einsatzgruppen gezählt wird. Sie ermordete von Juni 1941 mit Beginn des Unternehmens Barbarossa bis Ende September 1941 Juden, mutmaßliche Kommunisten und auf Grundlage des Kommissarbefehls sowjetische Kriegsgefangene, laut Bericht Walter Stahleckers 5502 Menschen. Ferner beteiligten sich an den Aktionen des Einsatzkommandos der Sicherheitsdienst für den Abschnitt Tilsit, Angehörige der Wehrmacht und der Waffen-SS sowie lokale litauische Polizisten und „Weißbändler“ (Sammelbezeichnung für litauisch-nationalistische, antisowjetische „Partisanen“). Mit dem durch das Einsatzkommando verübten Massaker von Gargždai begannen die systematischen Massenerschießungen der (zunächst nur männlichen, erwachsenen) jüdischen Bevölkerung durch die Einsatzgruppen. Die Befehlslage, in deren Rahmen die Morde durchgeführt wurden, ist nicht sicher feststellbar und Gegenstand sich wandelnder geschichtswissenschaftlicher Deutungen.

  1. Urteil des Bundesgerichtshofs vom 07. September 1962 – 4 StR 259/62, online bei Wolters Kluwer.
  2. Joachim Tauber: Garsden, 24. Juni 1941. In: Annaberger Annalen. Nr. 5, 1997, ISSN 1614-2608, S. 125.
  3. Etwa bei der Erschießung von Juden in Kretinga am 25. Juni 1941. Christopher Browning mit einem Anteil von Jürgen Matthäus: Die Entfesselung der „Endlösung“. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939–1942. Propyläen, München 2003, ISBN 3-549-07187-6, Grenzüberschreitung, S. 374 (Originaltitel: The Origins of the Final Solution. 2003. Übersetzt von Klaus-Dieter Schmidt).
  4. Etwa in Augustowo zwischen dem 26. und dem 30. Juni 1941. Matthäus, S. 105.
  5. Etwa in Palanga am 26. Juni 1941. Arūnas Bubnys: Holocaust in Lithuanian Province in 1941. S. 43 f. (docscopic.info [PDF]).
  6. Etwa in Kretinga am 25. Juni 1941: Bubnys, S. 41.
  7. Tauber, S. 130.