Emden zur Zeit des Nationalsozialismus
Die Seehafenstadt Emden hatte zur Zeit des Nationalsozialismus in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung innerhalb Ostfrieslands. Während Teile Ostfrieslands eine ausgesprochene Hochburg der NSDAP innerhalb des heutigen Niedersachsens waren (insbesondere die Geestgegenden der Landkreise Aurich und Wittmund), verzeichneten SPD und KPD in Emden noch bei den Reichstags- und Stadtratswahlen im Jahr 1933 überdurchschnittliche Ergebnisse. Dennoch verlief auch in Emden die Gleichschaltung so zügig wie in den anderen ostfriesischen Gemeinden. Bis zu einer großen Verhaftungswelle im Jahr 1937 gab es in Emden einen starken kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der vor allem von den Hafenarbeitern ausging. Es bestand in geringerem Umfang auch sozialdemokratische und kirchliche Opposition.
Die Jüdische Gemeinde Emden war die größte Ostfrieslands. Sie hatte in Emden eine große Synagoge. Wie anderenorts wurden auch in Emden die Juden diskriminiert und entrechtet. Nach den vom NS-Regime reichsweit befohlenen Pogromen am 9. und 10. November 1938 emigrierten oder flüchteten viele Juden. Diejenigen, die nicht emigrieren konnten oder wollten wurden in den Osten deportiert; die meisten von ihnen wurden dort ermordet (Holocaust).
Aufgrund der geografisch exponierten Lage Emdens – keine Seehafenstadt in Deutschland liegt näher an Großbritannien – und aufgrund der Bedeutung des Hafens als Umschlagplatz von Eisenerz für das Ruhrgebiet sowie wegen der Werft Nordseewerke, auf der U-Boote für die Kriegsmarine vom Stapel liefen, ließ das NS-Regime in der kriegswichtigen Stadt zahlreiche Bunker bauen. Während des Zweiten Weltkriegs gab es ab 1940 mehr als 80 Luftangriffe auf Emden. Am Abend des 6. September 1944 flogen Bomber der Royal Air Force den schwersten Luftangriff auf Emden und zerstörten rund 80 Prozent der Innenstadt.
- ↑ Herbert Reyer: Aurichs Weg ins Dritte Reich. In: Ders. (Hrsg.): Aurich im Nationalsozialismus. (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Band 69), Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1993, ISBN 3-925365-49-4, S. 19–90, hier S. 66.