Ernst Haeckel

Ernst Heinrich Haeckel, vollständig Ernst Heinrich Philipp August Haeckel (* 16. Februar 1834 in Potsdam; † 9. August 1919 in Jena), war ein deutscher Zoologe, Philosoph, Zeichner und Freidenker sowie Hochschullehrer in Jena, der ab den 1860er Jahren die Ideen von Charles Darwin vertrat und sie zu einer speziellen Abstammungslehre ausbaute. Er trug durch populärwissenschaftliche Schriften und Vorträge sehr zur Verbreitung des Darwinismus in Deutschland bei. Haeckels wissenschaftlicher Fokus lag, nach seiner Ausbildung zum Arzt, auf der vergleichenden Anatomie. Als Professor für Zoologie prägte er einige heute geläufige Begriffe der Biologie wie Stamm, Phylogenie, Ontogenie und Ökologie. Darüber hinaus erarbeitete er eine ausführliche embryologische Argumentation für die Evolutionstheorie und formulierte in diesem Zusammenhang das Biogenetische Grundgesetz.

Haeckel verquickte Ziele einer analytisch-empirischen Wissenschaft mit gesellschaftspolitischen Zielen und verstand die Politik als angewandte Biologie. Er vertrat den Entwicklungs-Monismus im Sinne einer naturphilosophischen Weltanschauung auf naturwissenschaftlicher Grundlage. Er war Kopf und Identifikationsfigur (zeitgenössisch Monistenpapst) der zugehörigen Bewegung, die sich ab 1906 im Deutschen Monistenbund in Jena organisierte.

Im Rahmen seiner Auseinandersetzungen mit der Übertragbarkeit rassischer Kategorien auf die gesellschaftliche Entwicklung des Menschen zählt Haeckel – hier klarer Gegner seines Lehrers Virchow – zu den schließlich entschiedenen Vertretern einer „eugenischen“ Sozialpolitik. Aufgrund seiner Überlegungen zur „künstlichen Züchtung“ des Menschen in modernen Gesellschaften gilt Haeckel als Wegbereiter der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland. Nationalsozialistische Ideologen zogen Ausschnitte seiner Aussagen später als Begründung für ihren Rassismus und Sozialdarwinismus heran, erklärten gleichzeitig aber wesentliche Teile von Haeckels Weltbild als unvereinbar mit der völkisch-biologistischen Sichtweise des Nationalsozialismus.

  1. Christine Hertler, Michael Weingarten: Ernst Haeckel. In: Ilse Jahn, Michael Schmitt (Hrsg.): Darwin & Co. Eine Geschichte der Biologie in Portraits. 1. Auflage. Band 1. C.H.Beck, München 2001, ISBN 3-406-44638-8, S. 437.
  2. Richard Langton Gregory: The Oxford companion to the mind, Oxford University Press, 2004, S. 385; Heinz Brücher, Karl Astel: Ernst Haeckels Bluts- und Geisteserbe: eine kulturbiologische Monographie, J. F. Lehmann, 1936, S. 9.
  3. Gunter Mann: Biologismus – Vorstufen und Elemente einer Medizin im NS. In: J. Bleker et al.: (Hrsg.): Medizin im „Dritten Reich“, Köln 1993, S. 25 ff.
  4. etwa: Natürliche Schöpfungsgeschichte, „Siebenter Vortrag: Die Züchtungslehre der Selectionstheorie (Der Darwinismus)“, 7. Auflage, Berlin: Reimer, 1879, 153–155
  5. R. J. Richards: The tragic sense of life: Ernst Haeckel and the struggle over evolutionary thought. The University of Chicago Press (2008) S. 446.