Evangelische Militärseelsorge in Deutschland
Die Evangelische Militärseelsorge in Deutschland dient der seelsorgerischen Betreuung von Soldaten und Soldatinnen durch die Evangelische Kirche. Ihre Arbeit in der Militärseelsorge der Bundeswehr basiert auf einem Staatsvertrag zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Bundesrepublik Deutschland. Die Militärseelsorge als Teil der kirchlichen Arbeit wird im Auftrag und unter Aufsicht der Kirche ausgeübt. Der Staat sorgt für den organisatorischen Aufbau der Militärseelsorge und trägt ihre Kosten. Aus Kirchensteuermitteln der Soldaten werden weitergehende Aufgaben finanziert. Hintergrund für die Seelsorge ist die Gewährleistung des Rechtes der Soldaten, auch unter den besonderen Bedingungen des soldatischen Dienstes ihre Religion frei und ungestört ausüben zu können.
Sie umfasst derzeit (Stand: 31. März 2026) 100 Militärpfarrerinnen und -pfarrer im Inland und fünf Militärgeistliche im Ausland. Zusätzlich etwa gleich viele Militärseelsorgeassistentinnen und Militärseelsorgeassistenten, die an den Standorten als Ansprechpartner bereitstehen und teilweise auch für mehrere Standorte zuständig sind. Neben Gottesdiensten wird zur berufsethischen Unterstützung der Soldaten auch Lebenskundlicher Unterricht erteilt. An den Auslandsstandorten der Bundeswehr, an denen die Soldaten teilweise mit ihren ganzen Familien leben, gibt es ein komplettes Gemeindeleben. Die Angebote der Militärseelsorge richten sich ausdrücklich nicht nur an Kirchenangehörige, sondern an alle Militärangehörigen.
Zur seelsorgerlichen Begleitung der deutschen Kontingente innerhalb der integrierten NATO-Strukturen unterhält die Evangelische Militärseelsorge dauerhaft Auslandspfarrämter an verschiedenen Standorten. Dazu gehören der NATO-Standort in Norfolk (USA), die Sheppard Air Force Base (USA) zur Betreuung des deutschen fliegenden Personals während der Ausbildung, das militärische NATO-Hauptquartier SHAPE im belgischen Mons sowie der Militärstützpunkt Sigonella auf Sizilien (Italien) für den Bereich NATO-Südeuropa. Im Zuge der sicherheitspolitischen Ausrichtung auf die Landes- und Bündnisverteidigung ist ab Juli 2026 die Einrichtung eines weiteren ständigen Auslandspfarramtes bei der deutschen Panzerbrigade 45 im litauischen Rukla vorgesehen. Perspektivisch soll dieser Standort um einen zweiten Dienstposten erweitert werden.
Neben diesen dauerhaft eingerichteten Auslandspfarrämtern werden die 100 in Deutschland tätigen Militärgeistlichen regelmäßig für jeweils mehrere Monate zur seelsorgerlichen Begleitung der Truppe in die Einsatzgebiete entsandt. Zu den Stationierungsorten im Rahmen dieser Auslandseinsätze und einsatzgleichen Verpflichtungen zählen unter anderem das Kosovo, Bosnien, Polen, Rumänien und Jordanien. Darüber hinaus begleiten die Geistlichen auch die Besatzungen auf den Schiffen der Deutschen Marine während ihrer Missionen.
Die Arbeit der evangelischen Militärseelsorge steht unter dem Motto Domini Sumus (deutsch: Wir gehören dem Herrn).
Die Leitung der evangelischen Militärseelsorge ist einem Bischof übertragen. 2014 wurde das Bischofsamt mit Sigurd Rink erstmals hauptamtlich besetzt. Der Militärbischof steht in keinem Dienstverhältnis zum Staat oder zur Bundeswehr. Seit Oktober 2020 wird das Amt von Bernhard Felmberg wahrgenommen. Zwei an der Seelsorge beteiligte Einrichtungen unterstützen den Militärbischof: Das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr (EKA) und der Handlungsbereich Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr (HESB), beide mit gemeinsamem Sitz in Berlin. Das EKA ist als Bundesoberbehörde mit zentralen Verwaltungsaufgaben betraut und wird von einem Militärgeneraldekan geleitet, der ordinierter Theologe oder Beamter mit der Befähigung zum Richteramt ist. Dem EKA sind vier Evangelische Militärdekanate und 105 Evangelische Militärpfarrämter unterstellt.
- ↑ Evangelische Militärseelsorge – Dienststellen. In: bundeswehr.de. Archiviert vom am 30. September 2023; abgerufen am 18. April 2025.