FM-Anlage
Als FM-Anlage werden drahtlose Signalübertragungsanlagen bezeichnet, die Signale mit frequenzmodulierten Funksignalen (FM) übertragen. Der Begriff wird vor allem für Tonübertragungsanlagen für schwerhörige Menschen verwendet.
Hier muss unterschieden werden zwischen persönlicher Hörunterstützung und Höranlagen. Während Höranlagen sich an alle oder zumindest viele Teilnehmer in einem bestimmten mehr oder weniger öffentlichen Bereich wenden, hat eine persönliche Hörunterstützung einen oder nur sehr wenige Nutzer im privaten Umfeld im Auge: TV-Streamer, Funkmikrofon, Telefonadapter.
Der Begriff FM-Anlage wird heutzutage nicht mehr präzise verwendet. Er stammt aus einer Zeit, in der es nur analoge Funkanlagen gab, die mit der Frequenz-Modulation (FM) gearbeitet haben, die digitalen Systeme im 2,4-GHz- oder DECT-Bereich kann man somit eigentlich nicht mit FM-Anlagen bezeichnen, da sie ganz andere Modulationsverfahren nutzen. Gelegentlich werden auch Infrarot-Hörhilfen als „FM-Anlagen“ bezeichnet, wenn bei dem zur Übertragung verwendeten Infrarotlicht ebenfalls die Technik der Frequenzmodulation benutzt wird.
Aus historischen Gründen wird die proprietäre Phonak-Roger-Anlage als FM-Anlage bezeichnet. Das Roger-System benutzt die proprietäre digitale Airstream-Technik auf Basis der 2,4-GHz-Frequenz. Eine der Vorläufer-Anlagen war jedoch eine typische FM-Anlage.
Fast alle gängigen FM-Anlagen und ihre digitalen Pendants sind als Personenführungsanlagen oder als Konferenzanlagen konzipiert worden. Die Nutzung als mobile Höranlagen für Schwerhörige ist eine Nebennutzung. In der Nutzungsart Höranlage für Schwerhörige ist sie nicht barrierefrei, da sich nur Schwerhörige einen Empfänger ausleihen und tragen müssen. Dadurch sind sie dann eindeutig als schwerhörig erkennbar und somit wird ihr Recht auf Informationelle Selbstbestimmung verletzt. Außerdem ist das Ausleihen der Geräte nicht „die übliche Weise“ und „eine besondere Erschwernis“. (Vgl. §4 Behindertengleichstellungsgesetz (Deutschland), der Barrierefreiheit definiert.) Aus der Praxis ist bekannt, dass insbesondere altersbegleitend Schwerhörige sich scheuen, z. B. in der Kirche oder Vortragsräumen einen Empfänger auszuleihen und zu tragen.
Das Sendemikrofon wird üblicherweise nah am Sprechermund positioniert sein. Eine Höranlage und damit auch eine FM-Anlage bewirkt dann, dass Nebengeräusche aus der Raumakustik (Hall, Echo), der Bauakustik, der Umwelt oder dem Publikum stark abgedämpft werden, sodass von den Schwerhörigen noch gehörte Laute nicht durch die Nebengeräusche gestört oder verdeckt werden.
Analoge FM-Anlagen haben keine Latenz (Verzögerung), sodass die für Schwerhörige wichtige visuelle Zusatzinformation (Mundbild, Mimik, Gestik) ohne Zeitversatz verwertet werden kann. Digitale Anlagen haben jedoch systembedingt eine Latenz, sodass die Verwertung der visuellen Information erschwert wird.