Flussmittel (Glasschmelzen)

Flussmittel (Glasschmelzen) werden benötigt, um bei der Glas-Produktion die Schmelztemperaturen von gebranntem Kalk (2500 °C) und Quarzsand (1700 – 2000 °C) auf rund 1450 °C, die normale Betriebstemperatur im Glasofen, zu senken und somit Energie zu sparen.

Während in der römischen Antike auf natürliche Natronvorkommen (Soda) aus Natronseen zurückgegriffen wurde, setzte ab der Spätantike allmählich die Verwendung von Kaliumkarbonat (Pottasche) ein, das noch bis ins 18. Jahrhundert als bevorzugtes Alkalisalz und für die Produktion von Waldglas diente. Seitdem wird jedoch industriell hergestelltes, vergleichsweise billiges Natriumcarbonat verwendet. Dessen Schmelzpunkt liegt bei 851 °C, der von Kaliumkarbonat bei 891 °C.

Für qualitativ hochwertiges, reinweißes Kristall- und Bleikristallglas wird teilweise weiterhin Pottasche mit einem Schmelzpunkt von 884 °C eingesetzt, wobei die Pottasche in der Regel aus Kalilauge hergestellt wird. In der Antike und im Mittelalter entstand sie aus der Asche von Salzpflanzen ("Pottascheglas"), später aus Buchenholz ("Waldglas"), wobei die Asche jeweils in Bottichen eingesumpft und in mehreren Arbeitsgängen ausgelaugt wurde. Die Lauge wurde dann in Sudkesseln eingedampft und der Rückstand zu weiß-kalzinierter Pottasche gebrannt. Um 1 Kilogramm Pottasche herzustellen, wurden 2 Ster Holz benötigt, so dass selbst in waldreichen Gegenden Europas das Buchenholz knapp wurde.

  1. Jennifer Komp, Römisches Fensterglas. Archäologische und archäometrische Untersuchungen zur Glasherstellung im Rheingebiet (Aachen 2009) 120–128; 178–184.
  2. Eintrag zu Natriumcarbonat in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 21. Februar 2026. (JavaScript erforderlich)
  3. Eintrag zu Kaliumcarbonat in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 21. Februar 2026. (JavaScript erforderlich)
  4. Das Glasgemenge