Göbekli Tepe
| Göbekli Tepe | |
|---|---|
| UNESCO-Welterbe | |
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| Hauptgrabungsschnitt von Osten | |
| Vertragsstaat(en): | Türkei |
| Typ: | Kultur |
| Kriterien: | (i)(ii)(iv) |
| Fläche: | 126 ha |
| Pufferzone: | 461 ha |
| Referenz-Nr.: | 1572 |
| UNESCO-Region: | Asien |
| Geschichte der Einschreibung | |
| Einschreibung: | 2018 (Sitzung 42) |
Koordinaten: 37° 13′ 22,8″ N, 38° 55′ 20,5″ O
Göbekli Tepe (türkisch für ‚bauchiger Hügel‘, kurdisch Girê Mirazan für ‚Hügel der Wünsche‘) ist der Name einer geographischen Erhebung, auf der seit jüngerer Gegenwart die derzeit ältesten bekannten Großbauten der Menschheit archäologisch untersucht werden.
Die Bedeutung dieser 1994 von Klaus Schmidt entdeckten prähistorischen Anlagen wird seit etwa 2020 wissenschaftlich kontrovers diskutiert, da das Fehlen von Agrarfläche die bisher gängige These, dass der Ackerbau Impetus für die Sesshaftwerdung war, erstmals infrage stellt.
Die Funktion der Anlage selbst ist ebenfalls Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Debatte. Als am besten etabliert kann die von Schmidt aufgestellte Hypothese gelten, wonach es sich um jungsteinzeitliche Bergheiligtümer handelt, deren Errichtung mit einem Arbeitsaufwand einherging, den zu erbringen nur ein gruppenübergreifendes Bündnis in der Lage gewesen sei. In dieser kognitions-archäologisch konzipierten Betrachtung gilt das Dasein der Monumente als Beleg der These, dass die überschaubar kleinen Jäger-und-Sammler-Gruppen des Homo sapiens bereits vor zwölftausend Jahren fähig waren, politische Organisationen zu vereinbaren.
Der Fundort Göbekli Tepe liegt im türkischen Teil Mesopotamiens, 15 Kilometer nordöstlich der südostanatolischen Stadt Şanlıurfa, auf dem mit 750 Metern höchsten Punkt der langgestreckten Bergkette von Germuş. Der Grabungshügel selbst stellt keine natürliche Erhebung dar, sondern ist ein Tell, dessen Schichten infolge wiederholter Besiedlung nach oben wuchsen. Seine Höhe beträgt ungefähr 15 Meter, sein Durchmesser an der Basis rund 300 Meter. Seit Mitte der 1990er Jahre werden seine Inhalte von einem Langzeitprojekt des Deutschen Archäologischen Instituts ausgegraben.
Gegenwärtig unterscheidet man zwei Phasen der Entstehung des Hügels. Die erste reicht bis in das 10. Jahrtausend v. Chr. zurück. Aus dieser Epoche, dem frühen Präkeramischen Neolithikum A, stammen sieben der bislang ausgegrabenen Steinanlagen. Ihre markantesten Teile sind die sog. T-Pfeiler mit ihren kunstvoll herausgearbeiteten Plastiken oder Reliefen, die vorwiegend gefährlich wehrhafte, immer aber auch als Beute geeignete Tiere zeigen. Diese ältesten Anlagen sind in Kreisformationen errichtet, deren neun äußere Pfeiler auf zwei weitere im Inneren schauen, die sich dort gegenüber stehen. Geophysikalische Untersuchungen lassen vermuten, dass sich weitere 20 Bauten (ca. 11 Pfeiler pro Anlage) unter dem Erdboden befinden.
Aus der zweiten Nutzungsphase in den oberen Schichten des Tells (Präkeramisches Neolithikum B – 8800–7000 v. Chr.) fanden sich Anlagen, die aus viel kleineren Pfeilern bestehen und nun auch in rechteckiger Formation aufgestellt worden sind. Ob sie mit Dächern versehen waren und dadurch als Wohnunterkünfte oder Räume für zeremonielle Tätigkeiten hätten dienen können, wird aktuell erforscht. In den nachfolgenden Epochen wurde der Ort offensichtlich aufgegeben. Die Grundmauern eines jüngsten Gebäudes, das auf dem Südplateau entdeckt wurde, stammen erst wieder aus der römischen Zeit.
- ↑ Barbara Horejs. 2026. Interview in Wissen Spezial, Ö1-Radio, ORF, 8. März 2026, https://oe1.orf.at/player/20260308/825476/1772990102000
- ↑ BLO24: Der älteste Tempel der Welt - BLO24.at. 31. März 2024, abgerufen am 8. März 2026 (deutsch).
- ↑ Klaus Schmidt: Göbekli Tepe. Eine Beschreibung der wichtigsten Befunde, erstellt nach den Arbeiten der Grabungsteams der Jahre 1995–2007. In: Klaus Schmidt (Hrsg.): Erste Tempel – Frühe Siedlungen. 12000 Jahre Kunst und Kultur. Ausgrabungen und Forschungen zwischen Donau und Euphrat. Isensee, Oldenburg 2009, ISBN 978-3-89995-563-7, S. 187–223, hier S. 187.
- 1 2 Oliver Dietrich, Jens Notroff: A sanctuary, or so fair a house? In defense of an archaeology of cult at Pre-Pottery Neolithic Göbekli Tepe. In: Nicola Laneri (Hrsg.): Defining the sacred. Approaches to the archaeology of religion in the Near East. Oxbow, Oxford 2015, ISBN 978-1-78297-679-0, S. 75–89, hier S. 75.
- ↑ Klaus Schmidt: Göbekli Tepe. Eine Beschreibung der wichtigsten Befunde, erstellt nach den Arbeiten der Grabungsteams der Jahre 1995–2007. In: Klaus Schmidt (Hrsg.): Erste Tempel – Frühe Siedlungen. 12000 Jahre Kunst und Kultur. Ausgrabungen und Forschungen zwischen Donau und Euphrat. Isensee, Oldenburg 2009, ISBN 978-3-89995-563-7, S. 187–223, hier S. 188.