Gülen-Bewegung

Die Hizmet-Bewegung (auch Gülen-Bewegung) ist eine transnationale religiöse und soziale Bewegung bzw. ein Netzwerk religiöser, erzieherischer und sozialer Organisationen in der Türkei und im Ausland, das aus dem Umfeld des Predigers Fethullah Gülen hervorging und von dessen Predigten und Schriften geprägt wurde. In der Türkei kam es seit 2014/2016 zu weitreichenden staatlichen Maßnahmen gegen der Bewegung zugerechnete Einrichtungen, darunter Schließungen und Beschlagnahmungen. Gülen starb am 20. Oktober 2024 im US-Exil. Da die Bewegung keine offizielle Mitgliedschaftsstruktur veröffentlicht, variieren Angaben zu Größe und Reichweite in der Literatur und Berichterstattung erheblich. Der Bewegung werden bzw. wurden verschiedene Bildungs-, Medien- sowie Wirtschafts- und Wohlfahrtsinitiativen zugerechnet.

In der öffentlichen Debatte wird ihre Weltanschauung teilweise als „pazifistischer, moderner Islam, oft gelobt als Gegensatz zum extremeren Salafismus“ beschrieben. Kritiker bezeichnen sie als „sektenähnliche Organisation“ oder sprechen von „sektenähnlichen Praktiken“. Friedmann Eißler von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen spricht in diesem Zusammenhang von einer inneren Hierarchie, die einen konservativen Islam lebe. In ihrem Machtstreben und ihrer Intransparenz lasse die Bewegung zumindest in der Türkei nach Ansicht des Journalisten Michael Martenssektiererische Merkmale“ erkennen.

Die Bewegung hat keinen offiziellen Namen, wird aber landläufig von ihren Anhängern als Hizmet (der Dienst) bezeichnet und nennt sich in der breiteren türkischen Öffentlichkeit Cemaat (türk. ‚die Gemeinde‘). Die türkische Regierung setzt sie in Teilen oder als Ganzes mit der angeblichen terroristischen Organisation FETÖ gleich. Sie beschuldigt die Bewegung, für den Putschversuch 2016 verantwortlich zu sein. Ein Dekret von Präsident Recep Tayyip Erdogan sorgte für die Entlassung und Verhaftung zahlreicher Beamten. Das EGMR entschied am Beispiel des türkischen Lehrers Yüksel Yalçınkaya, dass tausende Anhänger der Gülen-Bewegung zu Unrecht verurteilt worden sind.

In Deutschland tritt seit Anfang 2014 die „Stiftung Dialog und Bildung“ unter dem Vorsitz von Ercan Karakoyun als Sprechergremium der Bewegung auf, obwohl die Bewegung seit den 1990er Jahren in Deutschland aktiv ist. Die Stiftung ist als rechtsfähige Stiftung in Berlin eingetragen. Die offizielle Gründungsfeier fand am 6. Mai 2014 in Berlin statt. Die Stiftung ist jedoch nur durch die 75 Gründungsmitglieder legitimiert, das Stiftungskapital beträgt 160.000 Euro. Die Strukturen innerhalb der einzelnen Organisationen sollen laut ehemaligen Führungsmitgliedern der Bewegung von Imamen aus der Türkei gesteuert werden.

  1. Länderkurzinformation Türkei – Gülen-Bewegung. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Oktober 2024, S. 3–4, abgerufen am 16. Februar 2026.
  2. Verfassungsschutzbericht 2024. Bundesamt für Verfassungsschutz, 10. Juni 2025, S. 327, abgerufen am 16. Februar 2026.
  3. 1 2 Turkey: Gülenists. In: Country Policy and Information Note (CPIN). UK Home Office, 9. August 2023, S. 7, 11, abgerufen am 16. Februar 2026 (englisch).
  4. Turkey’s political imams: The Gulenists fight back. The Economist, 18. Mai 2013, abgerufen am 25. Januar 2017 (englisch): „pacifist, modern-minded Islam, often praised as a contrast to more extreme Salafism.“
  5. Türkische Gülen-Bewegung: Machtkampf mit Erdogan? Westdeutscher Rundfunk Köln, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 30. Dezember 2013; abgerufen am 2. August 2016.
  6. Volker Siefert: Imam Gülens Einfluss reicht bis in die deutsche Politik. Die Zeit, 29. Dezember 2013, abgerufen am 1. August 2016.
  7. Islamische Bewegung: Evangelischer Experte hält Gülen für „problematisch“. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 27. Juli 2019]).
  8. Fabian Busch: „Gülen macht bei Scharia-Normen keine Abstriche“. Interview mit Friedmann Eißler. In: Mannheimer Morgen. 24. Juli 2019, abgerufen am 27. Juli 2019.
  9. Die freundlichen Islamisten? – Auf den Spuren der Gülen-Bewegung. In: Arte. 2019, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. November 2019; abgerufen am 13. November 2019.
  10. Michael Martens: Türkei: Der gescheiterte Putsch und seine Folgen – Essay. In: bpb.de (APuZ). 24. Februar 2017, abgerufen am 29. Oktober 2022 (Lizenz: Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE).
  11. Gigi Deppe: EMGR: Tausende Türken zu Unrecht verurteilt. Abgerufen am 6. Oktober 2023.
  12. Bundesrechtsanwaltskammer: Verurteilung wegen Nutzung einer Messenger-App – EGMR. Abgerufen am 6. Oktober 2023 (deutsch).
  13. Verzeichnis der rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts mit Sitz in Berlin. (Memento vom 31. Mai 2014 im Internet Archive) Berliner Senatsverwaltung für Justiz, 1. Juli 2015, abgerufen am 1. August 2016 (PDF; 1,3 MB).
  14. Hizmet-Bewegung in Deutschland: Stiftung setzt sich kritischen Dialog nach innen und nach außen zum Ziel. (Memento vom 31. Mai 2014 im Internet Archive) Deutsch-türkisches Journal, 6. Mai 2014, abgerufen am 1. August 2016.
  15. Medien: Regierung bewertet Gülen-Bewegung kritischer als bisher. CIBEDO, Christlich-Islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle e. V., Deutsche Bischofskonferenz, 11. Juni 2018, abgerufen am 13. Juni 2018.