Hanīf

Das arabische Wort Hanīf, Plural Hunafāʾ (arabisch حنيف، حنفاء, DMG ḥanīf, ḥunafāʾ) bezeichnet vorislamische Monotheisten auf der Arabischen Halbinsel, die weder Juden noch Christen waren. Ihre religiöse Strömung nennt man im islamischen Schrifttum al-hanīfiyya / الحنيفية / al-ḥanīfīya. Das arabische Verb aus der Wurzel ḥ-n-f taḥannafa تحنف bedeutet je nach Zusammenhang a) „Hanīf werden“, d. h. der Hanīfiyya, der Religion Abrahams folgen – so in den Erläuterungen von Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī, b) den Islam annehmen. In diesem Sinne wird der Begriff in Sure 22, 31 hunafāʾ li-llāhi حنفاء لله / ḥunafāʾa li-llāhi verwendet: „als Gott ergebene Hanīfe“, die dem einzigen Gott nichts beigesellen. In theologischen Schriften wird hanīf und al-hanīfiyya oft als Synonym zu Muslim bzw. zu Islam verwendet.

In seinem Werk „Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart“ gibt Hans Wehr folgende Bedeutung an: „Rechtgläubiger, der anstatt der ihn umgebenden falschen die wahre Religion bekennt.“

Der Begriff ist nicht mit der von Abū Hanīfa gegründeten sunnitischen Rechtsschule der Hanafiten zu verwechseln.

  1. Hamilton A.R. Gibb: Pre-islamic Monotheism in Arabia. In: The Harvard Theological Review. Band 54 (1962), S. 269–280
  2. Fatḥ al-bārī, Band 1, S. 23, Zeile 10; und im Sprachgebrauch von Ibn Sa'd, dem Schüler von al-Wāqidī: taḥannafa fī-ʾl-ǧāhilīya (= er wurde in der Dschāhiliyya zum Hanif): Ibn Sa'd: Kitāb aṭ-ṭabaqāt al-kubrā. Ibn Saad: Biographien Muhammeds.... Ed. E. Mittwoch und E. Sachau. (Brill, Leiden) 1917. Band I/2. S. 55, Zeile 5.
  3. The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Band 3, S. 165
  4. s. Hans Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart, 5. Ausgabe, Wiesbaden: Harrassowitz (1985), S. 300