Heeresversuchsanstalt Peenemünde

Die Versuchsstelle des Heeres Peenemünde (kurz meist: Heeresversuchsanstalt Peenemünde, als solche HVP abgekürzt) war eine ab 1936 in Peenemünde-Ost errichtete Entwicklungs- und Versuchsstelle des Heeres, einer Teilstreitkraft der Wehrmacht. Unter dem Kommando von Walter Dornberger, seit Juli 1935 Chef der Raketenabteilung im Heereswaffenamt, und dem Technischen Leiter Wernher von Braun wurde in dem militärischen Sperrgebiet im Norden der Insel Usedom hauptsächlich die erste funktionsfähige Großrakete Aggregat 4 (A4, später ab November 1944 in der NS-PropagandaVergeltungswaffe V2“ genannt) entwickelt und getestet. Mit ihrem ersten erfolgreichen Flug am 3. Oktober 1942 war die ballistische Rakete das erste von Menschen gebaute Objekt, das in den Grenzbereich zum Weltraum eindrang. Allgemein gilt Peenemünde daher als „Wiege der Raumfahrt“.

Die Heeresversuchsstelle Peenemünde („Werk Ost“) wurde ab 1938 ergänzt von den Anlagen in Peenemünde-West („Werk West“, später Versuchsstelle der Luftwaffe Karlshagen). Der Forschungsbereich wurde als Entwicklungswerk bezeichnet. Anfang 1942 wurde die HVP in Heeresanstalt Peenemünde (HAP) umbenannt, ab Mitte 1943 zur weiteren Tarnung in Heimat-Artillerie-Park 11 Karlshagen (HAP 11). Im Zuge der Umwandlung von HAP 11 in eine Privatfirma im Juli 1944 wurde das Entwicklungswerk in Elektromechanische Werke GmbH Karlshagen (EMW) umbenannt und der Leitung von Generaldirektor Paul Storch, einem Vorstandsmitglied der Siemens & Halske AG, unterstellt, weiterhin mit Wernher von Braun als Technischem Direktor. Die Elektromechanischen Werke GmbH war ein getarnter Betrieb des Reiches und wurde mit einem Stammkapital von 1.000.000 RM am 1. August 1944 beim Amtsgericht Wolgast unter Handelsregister-Abteilung B unter Nr. 31 bzw. unter der Nr. 0-0220-0057 im Zentral-Handelsregister eingetragen.

Werksbezeichnungen der HeeresdienststelleZeitraum
Versuchsstelle Peenemünde a.U.05/1937 – 31.03.1938
Heeresversuchsstelle Peenemünde a.U. (HVP)01.04.1938 – 14.09.1941
Heeresversuchsanstalt Peenemünde (HVP)07.01.1942 – 31.05.1943
Heeresanstalt Peenemünde (HAP)01.04.1938 – 14.09.1941
Heimat-Artillerie-Park 11 Karlshagen (H.A.P. 11)01.06.1943 – 31.07.1944
Elektromechanische Werke GmbH Karlshagen (E.M.W.)01.08.1944 – 04/1945
Versuchsplatz Karlshagen01.08.1944 – 02/1945
Elektromechanische Werke Peenemünde GmbH (E.M.W.)ab 05/1945
Arbeitsgemeinschaft Peenemünde (A.G.P.)ab 10/1945

Ab Juni 1943 befand sich auf dem Areal ein KZ-Außenlager. Die Produktion der A4-Rakete fand während der letzten beiden Jahre des Zweiten Weltkriegs im Mittelwerk in einer Stollenanlage im Kohnstein bei Niedersachswerfen mit dem angegliederten KZ Mittelbau-Dora statt.

Das Historisch-Technische Museum Peenemünde informiert über die damaligen Geschehnisse und die Geschichte des Ortes.

  1. Peenemünde: Astronauten besichtigen Wiege der Raumfahrt, Ostsee-Zeitung, 8. November 2013, abgerufen am 10. November 2014.
  2. Steffen Buhr: Signalanlagen der Werkbahn Peenemünde. 18. November 2012, abgerufen am 10. Oktober 2019.
  3. Manfred Bornemann: Geheimprojekt Mittelbau. Vom zentralen Öllager des Deutschen Reiches zur größten Raketenfabrik im Zweiten Weltkrieg. Bernard & Graefe, 1994, ISBN 978-3-7637-5927-9 (240 S.).
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  4. Peter Hall: Organigramm Elektromechanische Werke Karlshagen. Abgerufen am 3. Oktober 2019.
  5. Deutscher Reichs- und Staatsanzeiger 1944 / Nr. 178, Berlin, 10. August 1944, S. 3 (Universitätsbibliothek Mannheim, Periodika Reichsanzeiger).
  6. Heinz Größer: Schreiben der Interessengemeinschaft der ehemaligen Peenemünder an das Sozialgericht Hamburg, Hainburg, 8. Juni 1977 (HTM Peenemünde, Archiv, IEP B/782/26, S. 69).
  7. Rainer Eisfeld: Mondsüchtig. Wernher von Braun und die Geburt der Raumfahrt aus dem Geist der Barbarei. Zu Klampen Verlag, Springe 2012, ISBN 978-3-86674-167-6.
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