Arzneipflaster

Ein Arzneipflaster (auch Heilpflaster oder Kataplasma; lateinisch Emplastrum, von altgriechisch ἔμπλαστρον émplastron „das Eingeknetete“, „das Eingeschmierte“, Pflaster im Sinne von „äußerliche Anwendung eines Wirkstoffes“ als „salbenähnliches Arzneimittel“, auch im Sinne von Pflaster, Schmiersalbe oder Liniment) bezeichnet heute unter anderem eine flexible, klebende pharmazeutische Zubereitung zum Auflegen auf die Haut, das einen oder mehrere Arzneistoffe enthält. Moderne Arzneipflaster bestehen aus einer wirkstoffhaltigen Klebstoffbasis, die sich als einheitliche Schicht auf einem geeigneten Träger aus natürlichem oder synthetischem Material ausbreitet. Die Klebeschicht wird von einer Schutzfolie abgedeckt, die vor dem Aufbringen des Pflasters auf die Haut entfernt wird.

Bereits im Mittelalter wurden arzneiliche Wirkstoffe auch als Salbe oder Paste verarbeitet auf das Trägermaterial aufgebracht. Ursprünglich wurde dabei als Pflaster (etwa im Buch von guten Pflastern und Salben) sowohl das mit dem Arzneimittel bestrichene (Verband-)Material als auch die auf das Verbandsmaterial aufzubringende Arzneimittelmasse (oft ein dickflüssiger Heilmittelbrei) bezeichnet. Die ursprüngliche Absicht einer systemischen Wirkung der traditionellen Pflastertherapie tritt mit der Anwendung der in den 1970er Jahren eingeführten transdermalen Pflaster (TTS-transdermale therapeutische System) wieder zu Tage.

  1. Christoph Weißer: Pflaster. 2005, S. 1141.
  2. Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 394–395 (phlaster).
  3. Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon. 3. Auflage. Verlag der Deuerlich- und Dieterichschen Buchhandlung, Göttingen 1844, S. 349 (Emplastrum).
  4. Definition nach EDQM Standard Terms
  5. Dieter Lehmann: Zwei wundärztliche Rezeptbücher des 15. Jahrhunderts vom Oberrhein. Teil I: Text und Glossar. Horst Wellm, Pattensen (Han.) 1985, jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, Band 34), ISBN 3-921456-63-0, S. 235.; vgl. dazu Andrea Lehmann: Zwei wundärztliche Rezeptbücher des 15. Jahrhunderts vom Oberrhein. Teil II: Kommentar. ebenda 1986 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, Band 35).
  6. Vgl. etwa Ingrid Rohland: Das „Buch von alten Schäden“, Teil II: Kommentar und Wörterverzeichnis. Medizinische Dissertation, Würzburg (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, Band 23). Königshausen & Neumann, Würzburg 1982, S. 53 und 391.
  7. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 437 (pflaster: mit einem Arzneimittel bestrichener Verband bzw. Arzneimittel, mit dem ein Verband bestrichen wird; laut Karl-Heinz Weimann bei Paracelsus ein dickflüssiger Heilmittelbrei als Aufstrich auf Körperschäden).
  8. Christoph Weißer: Pflaster. 2005, S. 1141.