Hessisches Hinterland

Das Hessische Hinterland (lokal meist nur das Hinterland; mundartlich Hennerloand oder Hennerlaand) ist eine Region in Oberhessen zwischen den Städten Marburg und Siegen gelegen, östlich von Dillenburg und nördlich von Wetzlar. Es konzentriert sich um den westlichen Teil des heutigen mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf, den Altkreis Biedenkopf. Ehemals reichte es schlauchartig von Bromskirchen im Norden bis kurz vor Wetzlar und nach Rodheim bei Gießen.

Heute ist das Hessische Hinterland geprägt von zahlreichen mittelständischen Unternehmen, darunter sogar einige Weltmarktführer. Geographisch zeichnet es sich durch seine typischen Mittelgebirgslandschaften aus, die in der über das Hinterland hinaus weithin sichtbaren Sackpfeife, Teil des Ausläufer des Rothaargebirges, ihren Hochpunkt finden. Die gesamte Region liegt im Einzugsgebiet der oberen Lahn.

Ursprünglich war das „Hinterland“ (zur Namensherkunft siehe unten) der zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gehörige und von dieser nahezu vollständig isolierte Bereich der Ämter Blankenstein mit dem Breidenbacher Grund, Biedenkopf, Battenberg (Eder) und Königsberg. Später blieb die Bezeichnung „Hessisches Hinterland“ am ehemaligen Kreis Biedenkopf hängen, der bis 1866 zu Hessen-Darmstädter Territorium und ab 1867 zum Königreich Preußen gehörte (siehe Historische Einordnung).

Heute wird der Begriff „Hessisches Hinterland“ volkstümlich für die Teile des ehemaligen Kreises Biedenkopf verwendet, die 1974 im Landkreis Marburg-Biedenkopf aufgegangen sind (siehe Gegenwärtige Einordnung).

Im Hinterland wird Hinterländer Platt gesprochen, allerdings meist nur noch von älteren einheimischen Bewohnern – mit abnehmender Tendenz. Die eigentümliche traditionelle Hinterländer Tracht ist in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit den letzten Trägerinnen ausgestorben.

  1. Elsa Blöcher: Aus der Geschichte des Hinterlandes. In: Erich Landgrebe (Hrsg.): Hessen – Mensch und Raum – Der Landkreis Marburg Biedenkopf. Verlag Moderne Gemeinde Erich Landgrebe, Offenbach/Main 1965, S. 7–15.
  2. Elsa Blöcher: Das Hinterland. Ein Heimatbuch. Stephani, Biedenkopf 1981.
  3. Günter Bäumner: Skizzen aus dem Hinterland. In: Hinterländer Geschichtsblätter, Nr. 4 (Dezember 1990), Geschichtsbeilage zum Hinterländer Anzeiger. Biedenkopf, S. 51–53.
  4. Hans Friebertshäuser: Sprache und Geschichte des nordwestlichen Althessen (= Deutsche Dialektgeographie (DDG). Bd. 46). Elwert, Marburg 1961, ZDB-ID 504227-6.