Ingerenz
Ingerenz (lateinisch ingerere „sich einmischen“) ist ein terminus technicus des Strafrechts und bezeichnet gefährdendes Vorverhalten im Kontext des rechtlichen Instituts der Garantenstellung. Ist dieses Vorverhalten objektiv pflichtwidrig, so wird der Gefährder (nach herrschender Meinung) Garant des Gefährdeten. Diese Stellung begründet eine besondere Rechtspflicht (sog. Garantenpflicht) gegenüber dem Gefährdeten: Der Gefährder muss dafür einstehen, dass sich das geschaffene Risiko der Rechtsgutsverletzung nicht realisiert. Kommt er dieser Pflicht nicht nach, kann dies gem. § 13 StGB zur Strafbarkeit wegen eines unechten Unterlassungsdelikts führen.
- ↑ BGH NJW 2017, S. 2052 ff. (2054); Ulrich Sieber, in: Sieber Handbuch Multimedia-Recht, Teil 19. 1, Rn. 37.
- ↑ Nikolaus Bosch, in: Schönke/Schröder Strafgesetzbuch (Kommentar), § 13 Rn. 35; Georg Freund, in: Münchener Kommentar zum Strafgesetzbuch, § 13 Rn. 118.
- ↑ Grundlegend RG, Urteil vom 20. Oktober 1893 - Rep. 2727/93, RGSt 24, 339, 340; BGH, Urteil vom 22. Januar 1953 - 4 StR 417/52, BGHSt 4, 20, 22; Fischer, StGB, 64. Aufl., § 13 Rn. 47 ff. sowie Andreas Ransiek, Handbuch Wirtschaftsstrafrecht, 5., neu bearbeitete Auflage 2019.
- ↑ BGH, Beschluss vom 13. November 1963 - 4 StR 267/63, BGHSt 19, 152, 154 und Urteile vom 26. Juni 1990 - 2 StR 549/89, BGHSt 37, 106, 115 sowie vom 19. Dezember 1997 - 5 StR 569/96, BGHSt 43, 381, 397.
- ↑ BGH, Urteil vom 6. Juli 1990 - 2 StR 549/89
- ↑ BGH, Urteil vom 9. Mai 2017 – 1 StR 265/16 Rdnr. 81 ff.