Integrative Wirtschaftsethik
Die Integrative Wirtschaftsethik zielt darauf, die dem ökonomischen Denken zugrunde liegenden normativen Annahmen aufzudecken und die immer mehr dominierende marktwirtschaftliche Sachlogik in eine ethische Konzeption lebensdienlichen Handelns einzubinden.
Die Integrative Wirtschaftsethik wurde von Peter Ulrich entwickelt, der von 1987 bis 2009 erster Inhaber des ältesten deutschsprachigen Lehrstuhls für Wirtschaftsethik und Gründungsdirektor des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen war.
Als Grundlage für eine solche Position sieht Ulrich weder einen naturrechtlichen, noch einen religiös-metaphysischen Ansatz, sondern eine am Humanismus und am republikanischen Liberalismus ausgerichtete Vernunftethik. Mit Vernunftethik meint Ulrich „die rational verallgemeinerbare intersubjektive Reziprozität des Anspruchs auf die Achtung und Anerkennung aller Subjekte als in ihrer Würde und Subjektqualität „unantastbare“ Personen.“ Ausgehend von der Praxis der menschlichen Lebenswelt sieht Ulrich einen Aufstieg von der Goldenen Regel über den unbeteiligten Beobachter bei Adam Smith und den Kategorischen Imperativ bei Immanuel Kant bis hin zur Diskursethik von Karl-Otto Apel und Jürgen Habermas als die am besten ausgearbeitete (elaborierte) Form einer solchen Vernunftethik.
- ↑ Peter Ulrich: Lebensdienliche Marktwirtschaft, in: Thomas Bausch, Dietrich Böhler, Horst Gronke, Thomas Rusche, Michael Stitzel, Micha H. Werner (Hrsg.): Zukunftsverantwortung in der Marktwirtschaft. Festschrift für Hans Jonas, Lit, Münster 2000, 70-84, hier 73