Internetabhängigkeit

Bei einer Internetabhängigkeit oder Internetsucht handelt es sich um eine substanzungebundene Abhängigkeit. Die Begriffe Internetabhängigkeit, exzessives Onlineverhalten (EOV), Internetsucht und Onlinesucht werden synonym verwendet.

Die Internetabhängigkeit wird weder vom DSM-5 noch von der ICD-11 als psychische Störung anerkannt. Allerdings wird die Computerspielstörung in der ICD-11 aufgeführt. Die diagnostische Einordnung der Internetabhängigkeit ist Gegenstand kontroverser Diskussionen. Dabei steht zur Debatte, ob es sich um ein eigenständiges klinisches Krankheitsbild handelt oder um eine Ausdrucksform bereits bestehender psychiatrischer Erkrankungen. Die fehlende Standardisierung und uneinheitliche Definition erschweren die Entwicklung evidenzbasierter Leitlinien.

In der ICD-10 wurde die Internetabhängigkeit unspezifisch als Störung der Impulskontrolle erfasst (F63 Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle).

Das Centre for On-Line Addiction benennt fünf spezifische Subkategorien der Internetabhängigkeit:

  • Cybersexual addiction beschreibt die Abhängigkeit von pornographischem Material und sexueller Interaktion im Internet.
  • Cyberrelationship addiction ist die Abhängigkeit von virtuellen Freundschaften, welche reale Beziehungen zu Freunden und der Familie verdrängen oder ersetzen.
  • Net-compulsion umfasst alle zwanghaften Internetaktivitäten einschließlich Glücksspiel, Einkaufen und Auktionen.
  • Information overload ist das zwanghafte Recherchieren und Surfen ohne erkennbaren Grund.
  • Computer addiction (computer game playing) bedeutet exzessives Computerspielen.
  1. Sebastian Wachs, Karsten D. Wolf: Zusammenhänge zwischen deviantem und risikoreichem Onlineverhalten 12-bis 13-jähriger Kinder aus drei Ländern. In: Jahrbuch Medienpädagogik, 12. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, S. 71–97.
  2. American Psychiatric Association: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. Fifth Edition Auflage. American Psychiatric Association, 2013, ISBN 978-0-89042-555-8, doi:10.1176/appi.books.9780890425596 (psychiatryonline.org [abgerufen am 20. Oktober 2025]).
  3. ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics. In: icd.who.int. Weltgesundheitsorganisation, Januar 2025, abgerufen am 20. Oktober 2025 (englisch).
  4. Alessandro Musetti, Roberto Cattivelli, Marco Giacobbi, Pablo Zuglian, Martina Ceccarini, Francesca Capelli, Giada Pietrabissa, Gianluca Castelnuovo: Challenges in Internet Addiction Disorder: Is a Diagnosis Feasible or Not? In: Frontiers in Psychology. Band 7, 6. Juni 2016, ISSN 1664-1078, doi:10.3389/fpsyg.2016.00842, PMID 27375523, PMC 4894006 (freier Volltext) (frontiersin.org [abgerufen am 20. Oktober 2025]).
  5. F63.-Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle, ICD-Code, abgerufen am 2. März 2021
  6. Vgl. den Forschungsüberblick bei Ulrike Braun: Exzessive Internetnutzung Jugendlicher im familialen Kontext. Analysen zu Sozialschicht, Familienklima und elterlichem Erwerbsstatus. Springer Fachmedien Wiesbaden 2014, S. 15