Inzidentelles Lernen
Unter inzidentellem Lernen versteht man Lernen in der Handlung ohne Lernabsicht (laut Fremdwörter-Duden bedeutet inzident auch zufällig). Inzidentelles Lernen stellt ein Nebenprodukt anderer Aktivitäten dar und „findet in Situationen statt, in denen Lernen nicht notwendig, nicht geplant und nicht gefordert ist“ (Röhr-Sendlmaier & Käser, 2016, S. 210). Es umfasst das unerwartete Auffinden von Informationen während der Ausübung anderer Aktivitäten. Grundsätzlich lassen sich drei Kategorien von Situationen unterscheiden, in denen inzidentelles Lernen vorkommen kann (Reischmann, 1995, S. 200): (1) in Situationen, die zwar geplant sind, aber bei denen das Lernen nicht der Hauptzweck der Handlung ist (z. B. eine Reise); (2) in Ausnahmesituationen und Einzelgeschehen (z. B. Unfall); (3) in Arbeits- und Lebensroutinen.
Am besten erklärt sich der Begriff durch ein Beispiel aus der täglichen Arbeit: Während der beabsichtigten (intentionalen) Suche nach ganz bestimmter Information (z. B. mittels einer Suchmaschine) muss meistens auch (relativ viel) weniger passende Information kognitiv bearbeitet werden, aber: genau diese Informationsverarbeitung – die eben nicht absichtlich (nicht intentional) erfolgt – löst einen Lernprozess aus: es wird inzidentell (nicht absichtlich) gelernt. Sehr oft im täglichen Leben lernen wir nicht absichtlich, sondern „unabsichtlich“. In der englischsprachigen Literatur wird auch der Begriff implicit learning verwendet.
- ↑ Marsick, V. J. & Watkins, K. E. (1990). Informal and incidental learning in the workplace. London: Routledge.
- ↑ Röhr-Sendlmaier, U. M. & Käser, U. (2016). Informelles Lernen aus psychologischer Perspektive. In M. Rohs (Hrsg.), Handbuch informelles Lernen (S. 207–223). Wiesbaden: Springer. doi:10.1007/978-3-658-05953-8_13
- ↑ Williamson, K. (1998). Discovered by chance: The role of incidental information acquisition in an ecological model of information use. Library & Information Science Research, 20(1), 23–40. doi:10.1016/s0740-8188(98)90004-4
- ↑ Reischmann, J. (1995). Lernen „en passant“ – die vergessene Dimension. Grundlagen der Weiterbildung, 6(4), 200–204.