Judaslohn

Der Ausdruck Judaslohn bezeichnet zum einen die Bezahlung eines Verräters durch die Nutznießer seines Verrats, zum anderen den schrecklichen Tod eines Verräters als gerechte Strafe für seinen Verrat an Unschuldigen. Beide Bedeutungen knüpfen an Einzelmotive zu Judas Iskariot im Neuen Testament (NT) an: Dieser erhielt nach Mt 26,15  und 27,3 dreißig Silberstücke als Lohn dafür, dass er Jesus von Nazaret an den Sanhedrin verriet und so letztlich Jesu Kreuzigung ermöglichte. Dafür habe er sich selbst durch einen Suizid bestraft oder sei einen qualvollen Tod gestorben.

Der Ausdruck kommt nur im Deutschen vor und ist verwandt mit Ausdrücken wie dem „Judaskuss“, den sprichwörtlichen „dreißig Silberlingen“, dem „Blutacker“ und dem „Blutgeld“, die ebenfalls aus der NT-Überlieferung zum Verrat des Judas abgeleitet sind. Zum verwandten Wortschatz gehören der „Judasgroschen“ oder „Judaspfennig“, das „Judasgeld“ und der „Judassilberling“.

Im christlichen Antijudaismus und modernen Antisemitismus wurde der Ausdruck „Judaslohn“, oft verbunden mit dem Motiv des „Geldjuden“, zum geprägten Stereotyp für mit Geldgier und hinterhältiger Heimtücke verbundenem Verrat als angeblicher Wesensart „der Juden“. Als allgemeine Metapher für einen belohnten Verrat mit tödlichen Folgen für den oder die Verratenen und/oder den Verräter ging der Ausdruck in die Umgangssprache ein.

  1. Walter Dietrich, Maurice Baumann: Antijudaismus – christliche Erblast. Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 3-17-016095-8, S. 113
  2. Erhard Agricola, Wilhelm Braun (Hrsg.): Wörterbuch des christlich geprägten Wortschatzes. Hirzel, Stuttgart 2003, ISBN 3-7776-1273-1, S. 95