Königreich Galicien

Das Königreich Galicien (galicisch: Reino de Galiza) war ein mittelalterliches, eigenständiges Königreich auf der Iberischen Halbinsel, gegründet im 5. Jahrhundert von dem germanischen Stamm der Sueben in der ehemaligen römischen Provinz Gallaecia. Das Königreich erlebte Phasen der Unabhängigkeit sowie Zeiten, in denen es in Personalunionen mit den benachbarten Königreichen León und später mit Kastilien verbunden war. Galicien bewahrte seine kulturellen und religiösen Traditionen auch während der islamischen Herrschaft in den umliegenden Gebieten. Im frühen 10. Jahrhundert, obwohl oft als Königreich Asturien in der Geschichtsschreibung bezeichnet, war das Königreich im Nordwesten der Iberischen Halbinsel in den meisten Quellen als Königreich Galicien oder von Begriffen abgeleitet aus Gallaecia bekannt.

Die Könige Galiciens regierten unabhängig über Gebiete im Nordwesten, die heute der Autonomen Gemeinschaft Galicien und Asturien, sowie drei Provinzen, die dem alten Königreich León entsprechen, und der Grafschaft Portucale – heute Nordportugal bis zum Fluss Douro – zugeordnet werden. Diese Gebiete wurden manchmal unter verschiedenen Herrschern (Brüdern oder Cousins) aufgeteilt. Zum Beispiel erbte König García das Königreich des Westens mit seiner Hauptstadt in Compostela, das auch den Namen Galicien trug, sowie die Gebiete bis Coimbra in Portugal und die Tribute der Taifa von Badajoz. Sein Bruder, Afonso VI., ließ ihn verhaften und vereinte nach Garcías Tod das Königreich Galicien-León erneut.

Ebenso könnte sich der Begriff „Leon“ sowohl auf die Stadt als auch auf ihre Umgebung beziehen, einschließlich Teile des heutigen Portugals, das sich unter König Afonso Henriques mit der Unterstützung von Papst Alexander III. entwickelte und das Königreich als unabhängig etablierte.

Die Historiographie hat sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt, und einige zeitgenössische Historiker haben die Darstellung des mittelalterlichen Königreichs Galicien verändert, indem sie Namen wie Gallaecia Regnum durch 'Königreich Asturien' oder 'Königreich León' ersetzten. Dies hat dazu geführt, dass die historische Bedeutung Galiciens oft heruntergespielt wurde, indem es meist nur als nominelles Königreich mit kurzen Phasen der Unabhängigkeit über ein Jahrtausend dargestellt wird.

  1. Xosé Miguel ANDRADE CERNADAS: O Reino medieval de Galicia. Crónica dunha desmemoria. Xerais, S. 10 (galicisch).
  2. Annales Compostellani, Chronicon Compostellani. hrsg. von Enríque FLOREZ in: España Sagrada. Bd. 23 (1765), S. 327.
  3. Historia Silense, hrsg. von Simon BARTNO und Richard FLETCHER in: The World of El Cid: Chronicles of the Spanish Reconquest. Manchester University Press, 2000, §13, S. 34.
  4. Pressutti (Hrsg.): Regesta Honorii Papae III. Georg Olms Verlag, S. 167 (Latein, google.es).
  5. Miguel-Anxo MURADO: Outra idea de Galicia. Debate, S. 60 (galicisch, google.es).