KZ Kemna
Das Konzentrationslager Kemna, kurz auch KZ Kemna, die Kemna oder damals offiziell Konzentrationslager Wuppertal-Barmen genannt, war eines der frühen Konzentrationslager zur Zeit des Nationalsozialismus. Das Lager wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 in einer ehemaligen Putzwollfabrik errichtet und stand unter der Leitung der SA-Gruppe Düsseldorf. Dieses Fabrikgelände befand sich an der Wupper im Wuppertaler Ortsteil Kemna zwischen Beyenburg und Oberbarmen. Noch heute befindet sich das Hauptgebäude an der Beyenburger Straße 164. Die SA betrieb das Lager von 1933 bis 1934.
Das Konzentrationslager Kemna diente dazu, politische Gegner des NS-Regimes zu unterdrücken und zu terrorisieren. Zu den politischen Gegnern, die dort inhaftiert waren, gehörten insbesondere Kommunisten, aber auch Sozialdemokraten, regimekritische Christen, Gewerkschaftler und Juden. Die Inhaftierungen erfolgten dabei meist willkürlich und beruhten auf persönlicher und politischer Gegnerschaft. Besonders betroffen waren dabei missliebige kommunistische und sozialdemokratische Arbeiter, die als entschlossene Vertreter ihrer Überzeugungen von lokalen NS-Funktionären denunziert und in „Schutzhaft“ genommen wurden.
Im Gegensatz zu späteren Konzentrationslagern stammten sowohl die Gefangenen als auch die Wachmannschaften aus der näheren Umgebung und kannten sich oft bereits aus den politischen Kämpfen der 1920er Jahre. Dies verstärkte die Brutalität der Misshandlungen, die in Kemna tagtäglich waren. Die Schreie der Gefolterten waren für die Menschen in der Umgebung hörbar, schwer verletzte Häftlinge wurden in nahegelegene Krankenhäuser gebracht. Dadurch verbreiteten sich schnell Berichte in der Bevölkerung über die Grausamkeiten im Lager.
Im Oktober 1933 kam es zu einer größeren Entlassungswelle von Häftlingen. Diese mussten vor ihrer Entlassung eine Erklärung unterschreiben, in der sie sich verpflichteten, über die erlebten Misshandlungen zu schweigen. Bei Zuwiderhandlung drohte ihnen eine erneute Inhaftierung. Die Nationalsozialisten wollten mit dem Begriff „Konzentrationslager“ in der Bevölkerung Schrecken verbreiten, fürchteten jedoch, dass die exzessive Gewalt im Konzentrationslager Kemna und anderen frühen Lagern die öffentliche Meinung gegen sie aufbringen könnte. Aus diesem und auch anderen Gründen wurde das Lager im Januar 1934, nur sechs Monate nach seiner Eröffnung, wieder geschlossen.
Nachdem die SA aufgrund des Röhm-Putsches an politischem Einfluss verlor, führten Berichte über die Folterungen zu einer Untersuchung und Anhörung, doch die Verantwortlichen kamen mit einer Verwarnung davon. Strafrechtliche Konsequenzen blieben zunächst aus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der sogenannte Kemna-Prozess zum ersten großen deutschen Verfahren in Wuppertal im Zusammenhang mit einem Konzentrationslager. Dennoch geriet das Lager für lange Zeit in Vergessenheit und es gab kaum historische Aufarbeitung. Jahrzehntelang stützte sich die Forschung auf lediglich zwei bzw. drei Quellen. Erst 1983 wurde ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer errichtet – allerdings gegenüber dem ehemaligen Lager, da der damalige Grundstückseigentümer jegliche Gedenktafeln auf dem Gelände selbst untersagte. Die Gestaltung basierte dabei auf Entwürfen einer Kunst-AG des Gymnasiums Am Kothen. Seitdem findet dort jährlich eine Gedenkveranstaltung statt.
Im Jahr 2019 ging das Gelände in den Besitz des Gesamtverbandes evangelische Gemeinden im Kirchenkreis Wuppertal über. Neben einem neuen Standort für das Archiv des Kirchenkreises ist dort die Errichtung eines Gedenk- und Lernortes für das ehemalige Konzentrationslager geplant.
- 1 2 3 4 David Magnus Mintert: Das frühe Konzentrationslager Kemna und das sozialistische Milieu im Bergischen Land. Hrsg.: Ruhr-Universität Bochum, Bochum 2007. Bochum 2007, S. 238, doi:10.13154/294-3061.
- 1 2 3 4 5 Broschüre: Begegnungsstätte Alte Synagoge und Evangelischer Kirchenkreis Wuppertal (Hrsg.): Beschimpft, beschmutzt und geschlagen. Das frühe Konzentrationslager Kemna. Wuppertal 2023.
- 1 2 Barbara Herfurth-Schlömer: Kurzinformationen. In: kemna-erinnern. Abgerufen am 20. Februar 2025.
- ↑ Barbara Herfurth-Schlömer: Kemna-Geschichte in Langerfeld. In: Langerfelder Dorfblatt. Langerfelder Dorfblatt, März 2024, abgerufen am 20. Februar 2024.
- ↑ Willi Weiler: Kemna: meine Erlebnisse im Konzentrationslager Wuppertal. Born Verlag, Wuppertal 1998, ISBN 3-87093-081-0, S. 79–80.