Klostermedizin
Unter Klostermedizin versteht man die „Heilkunde des 6. bis 12. Jahrhunderts, die im Abendland weitgehend von Mönchen ausgeübt wurde“. Die Klostermedizin war somit ein Teil der mittelalterlichen Medizin und basierte vor allem auf der Phytotherapie. Der Begriff, früher auch beschrieben mit den Bezeichnungen „Mönchsmedizin“, „monastische Medizin“ und „Klerikermedizin“, wurde geprägt, weil seit dem Frühmittelalter die Hospitäler von den Klöstern betrieben wurden. Mönche und Nonnen verfügten über grundlegende Kenntnisse zur Heilwirkung von Kräutern und Heilpflanzen. Klosterschulen wie die von Fulda, Reichenau, St. Gallen, Chartres und Tours waren von etwa 800 bis 1050, der Periode der Karolingischen Medizin, für die allgemeine und medizinische Bildung von Bedeutung. Die Medizin des Mittelalters innerhalb wie außerhalb der Klöster baute auf den Lehren von Hippokrates und Galenos auf und basierte vor allem auf der Humoralpathologie, also der Lehre von den Körpersäften.
Klostermedizin ist ein Begriff für eine Epoche der Medizingeschichte und wird von Wissenschaftlern nicht als Synonym für alternative Heilverfahren verwendet, auch nicht für die so genannte Hildegard-Medizin.
- ↑ Hans H. Lauer (2005), S. 758.
- ↑ Karl Sudhoff: Eine Verteidigung der Heilkunde aus den Zeiten der „Mönchsmedizin“. In: Sudhoffs Archiv. Band 7, (1913–)1914, S. 223–237 und 362.
- ↑ Vgl. auch Erwin H. Ackerknecht: Kurze Geschichte der Medizin. 4. Auflage (unter dem Titel Geschichte der Medizin). Stuttgart 1979, S. 75.
- ↑ Carl Hans Sasse: Geschichte der Augenheilkunde in kurzer Zusammenfassung mit mehreren Abbildungen und einer Geschichtstabelle (= Bücherei des Augenarztes. Heft 18). Ferdinand Enke, Stuttgart 1947, S. 56.
- ↑ Conrad Brunner: Über Medizin und Krankenpflege im Mittelalter in schweizerischen Landen. Orell Füssli, Zürich 1922 (= Veröffentlichungen der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, 1), S. 3–38
- ↑ Hermann Fischer: Mittelhochdeutsche Rezeptare aus bayerischen Klöstern und ihre Heilpflanzen. In: Mitteilungen der Bayerischen Fotanischen Gesellschaft zur Erforschung der heimischen Flora IV, 6, 1926, S. 69–75; auch in: Medizin im mittelalterlichen Abendland. Hrsg. von Gerhard Baader und Gundolf Keil, Darmstadt 1982 (= Wege der Forschung, 363), S. 83–94.
- ↑ Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 17.