Kognat
Kognat (maskulin, häufig auch feminin die Kognate, Plural in beiden Fällen: die Kognaten; von lateinisch cognatus ‚mitgeboren, verwandt‘) bezeichnet in der Sprachwissenschaft ein in Form und Inhalt verwandtes Wort in verschiedenen Einzelsprachen. Voraussetzung ist, dass sich das Wort und sein Kognat aus demselben Ursprungswort (Etymon) innerhalb einer Sprachfamilie entwickelt haben. Wortpaare oder größere Wortgruppen, die eine solche Verwandtschaft zeigen, werden als kognatisch verwandt, urverwandt oder kognat bezeichnet.
Die Kenntnis der Lautgesetze gestattet eine Identifizierung von Kognaten. Es zeigt sich, dass Sprachwandel mit systematischem Lautwandel einhergeht. Der Lautwandel-Prozess erfasst sämtliche Wörter einer Sprache. Sind systematische Lautkorrespondenzen zwischen gleichbedeutenden Wörtern in den verschiedenen Sprachen erkennbar, liegt eine hohe Evidenz dafür vor, dass diese Wörter Kognaten sind und sich vom selben Wort der gemeinsamen Ursprache der verglichenen Sprachgruppe herleiten.
Die Bedeutung der kognatischen Verwandten kann gleich geblieben sein oder sich in unterschiedlichen Sprachen auseinanderentwickelt haben. So haben etwa französisch fils und italienisch figlio, die beide auf lateinisch filius ‚Sohn‘ zurückgehen, in beiden Sprachen bis heute dieselbe Bedeutung. Dagegen ist die Bedeutung von deutsch brav, niederländisch braaf ‚gut, lieb, artig‘, englisch brave ‚mutig‘, italienisch bravo ‚geschickt, tüchtig, anständig‘ und spanisch bravo ‚wild, ungezähmt, aufbrausend‘ trotz kognatischer Verwandtschaft in jeder Sprache eine andere.
Im strengen Sinne können nur Erbwörter Kognaten sein, Lehnwörter und parallele Neubildungen hingegen nicht. Kognaten können auch innerhalb einer Sprache zwischen verschiedenen Varietäten wie zum Beispiel Dialekten, Mundarten oder Sprachregistern (im Deutschen z. B. das Wortpaar ‚Münzen‘ und ‚Moneten‘) oder zwischen Synonymen auftreten. Einen Sonderfall stellt die etymologische Dublette dar, bei der sich innerhalb einer Sprache aus einem gemeinsamen Ursprungswort (das aus der Sprache selbst oder aus einer Vorgänger- oder Herkunftssprache stammen kann) verschiedene Kognaten entwickelt haben, sodass sprachlich verwandte Wörter einer Sprache für unterschiedliche Begriffe stehen; so sind etwa die deutschen Wörter Keller und Zelle beide aus lateinisch cella abgeleitet.
Die Untersuchung von Kognaten in Form von Wortgleichungen ist eine wichtige Methode der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft.
In der Genealogie verwendet man den Begriff der kognatischen Abstammung.
- ↑ Kognat. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 3. Februar 2026; vgl. Charles Patrick Proctor, Elaine Mo: The relationship between cognate awareness and English comprehension among Spanish–English bilingual fourth grade students. In: TESOL Quarterly (Teachers of English to Speakers of Other Languages), Jg. 43 (2009), Heft 1, S. 126–136, hier: S. 126:
- A cognate is a word that shares similar orthographic and semantic characteristics in two languages, such that the spelling and meaning of a word and its cognate are highly similar.
- ↑ Gerhard Jäger: Wie die Bioinformatik hilft, Sprachgeschichte zu rekonstruieren. In: Alfred Nordheim, Klaus Antoni (Hrsg.): Grenzüberschreitungen. Der Mensch im Spannungsfeld von Biologie, Kultur und Technik. Transcript, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-2260-7, S. 139–166, hier: S. 144.