Kongogräuel

Als Kongogräuel werden die mit systematischer Grausamkeit betriebene Ausplünderung und Ausbeutung des sogenannten Kongo-Freistaats bezeichnet, der zwischen 1885 und 1908 eine Privatkolonie des belgischen Königs Leopold II. war. Von der Société générale de Belgique und anderen Unternehmen geführte Konzessionsgesellschaften, deren Hauptaktionär der Freistaat und damit der König selbst waren, trieben damals die Kautschukgewinnung mittels Sklaverei und Zwangsarbeit voran. Dabei kam es massenhaft zu Geiselnahmen, Morden, Verstümmelungen und Vergewaltigungen sowie als direkte Konsequenz zu Hungersnöten, Krankheiten und einer sinkenden Geburtenrate. Die Bevölkerungszahl der belgischen Kongokolonie halbierte sich möglicherweise. Schätzungen schwanken zwischen 1,5 und 13 Millionen Opfern.

Weltweit publik gemacht wurden die Gräuel des belgischen Kolonialregimes durch eine internationale Kampagne des britischen Menschenrechtsaktivisten Edmund Dene Morel und einen offiziellen Bericht des britischen Konsuls Roger Casement. Die erste Menschenrechtskampagne des 20. Jahrhunderts führte dazu, dass die Privatkolonie des Königs vom belgischen Staat übernommen wurde, der die schlimmsten Missstände, wenn auch nicht alle, abstellte.

  1. David Renton, David Seddon, Leo Zeilig: The Congo: Plunder and Resistance. Zed Books, London 2007, ISBN 978-1-84277-485-4, S. 37 (englisch).
  2. Adam Hochschild: King Leopold's Ghost: A Story of Greed, Terror, and Heroism in Colonial Africa. 2006, ISBN 978-1-74329-160-3, S. 225–233 (englisch).
  3. Amandine Lauro et al.: Koloniaal Congo: een geschiedenis in vragen. Polis, 2020, Kapitel 7, S. 107–117.
  4. Matthew White verzeichnet auf Death Tolls (Statistiken zu Opferzahlen) im Abschnitt Congo Free State (1886–1908) verschiedene Schätzungen, deren Durchschnittswert bei 8 Millionen liegt.; Dieter H. Kollmer: Die belgische Kolonialherrschaft 1908 bis 1960, in: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte Demokratische Republik Kongo, 2. Auflage, Paderborn u. a. 2006, S. 45. Informationen zum Film Weißer König, Roter Kautschuk, Schwarzer Tod (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive) (Peter Pater, Belgien 2004) beim Sender arte.