Krieg in Afghanistan 2001–2021

Krieg in Afghanistan 2001–2021
Teil von: Krieg gegen den Terror und Krieg in Afghanistan

Datum 7. Oktober 2001 (Operation Enduring Freedom, ISAF, Resolute-Support-Einsatz) bis 6. September 2021
Ort Afghanistan
Casus Belli Terroranschläge am 11. September 2001 (siehe Resolution 1368 des UN-Sicherheitsrates)
Ausgang Rückzug der alliierten Kräfte, Rückeroberung und Sieg der Taliban
Folgen Wiedererrichtung eines islamischen Emirats
Konfliktparteien

Afghanistan Islamische Republik Afghanistan (Afghanische Nationalarmee) (ab 2004)
Afghanistan 2002 Islamischer Übergangsstaat Afghanistan (2002–2004)
Afghanistan Islamischer Staat 2001 Nordallianz (bis 2002)
Koalitionskräfte:
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Weitere NATO NATO-Mitglieder, zum Beispiel:

Deutschland Deutschland
(Dezember 2001 bis Juni 2021)
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich

Weitere nicht-NATO-Verbündete, zum Beispiel:

Australien Australien
Georgien Georgien

Afghanistan Islamisches Emirat 1997 Islamisches Emirat Afghanistan (Taliban)
al-Qaida
unterstützt durch:
Pakistan Pakistan (ISI) (bestritten)

ab 2014:
ISIS-K

Befehlshaber

Afghanistan Aschraf Ghani
zu Beginn:
Afghanistan Hamid Karzai
Vereinigte Staaten George W. Bush

Afghanistan Islamisches Emirat 1997 Hibatullah Achundsada
Aiman az-Zawahiri
zu Beginn:
Afghanistan Islamisches Emirat 1997 Muhammad Omar
Osama bin Laden

Truppenstärke

Afghanistan > 350.000
Koalition:
2015:
13.195

ca. 80.000–100.000

Verluste

Afghanische Sicherheitskräfte (Afghanische Nationalarmee und Afghanische Nationalpolizei):

  • 64.124 getötet

Koalition:

  • 3.449 getötet

Private Militärunternehmen:

  • 3.814 getötet

gesamt:

  • 71.387 Tote

Taliban

  • 67.000–72.000+ Tote

al-Qaida

  • 2400+
Zivilisten:

43.074 Tote (bis November 2019)
unbekannte, aber weit höhere Anzahl an Verwundeten

Teilweise Stand November 2019

Der Krieg in Afghanistan 2001–2021 begann mit der von den USA geführten Intervention Operation Enduring Freedom im Herbst 2001, mit dem eine neue Phase des seit 1978 andauernden Konflikts in Afghanistan eingeleitet wurde, und endete mit dem Sieg der 1994 gegründeten deobandisch-islamistischen Terrorgruppe Taliban.

Die Regierung der Vereinigten Staaten (von 2001 bis 2009 die Regierung unter George W. Bush) und ihre Verbündeten verfolgten bei der Invasion in Afghanistan das Ziel, die seit 1996 herrschende Taliban-Regierung zu stürzen und die Terrororganisation al-Qaida zu bekämpfen. Letztere ist für die Terroranschläge am 11. September 2001 verantwortlich. Dazu gingen die Vereinigten Staaten in Afghanistan ein Bündnis mit der Anti-Taliban-Koalition der Nordallianz ein, deren Truppen am 7. Oktober 2001 mit US-Luftunterstützung die Stellungen der Taliban angriffen. Diese Phase des Krieges endete mit der Eroberung der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001 durch die Nordallianz.

Es folgte die Einsetzung einer Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai auf der parallel stattfindenden ersten Petersberger Afghanistan-Konferenz. Zum Schutz dieser Regierung und zur Unterstützung des Wiederaufbaus wurde durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Dezember 2001 eine von NATO-Staaten und mehreren Partnerländern gestellte Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe (International Security Assistance Force, ISAF) mandatiert. Die afghanische Zentralregierung war seit 2003 zunehmend Angriffen durch häufig als „Neo-Taliban“ bezeichnete Guerilla-Gruppen ausgesetzt. Um deren Vormarsch zu bremsen, wurde das Engagement von ISAF schrittweise erheblich ausgeweitet. Mit der Zeit wurde auch klar, dass in den Aufbau afghanischer staatlicher Strukturen mehr investiert werden musste, um letztlich den Krieg beenden zu können.

Am 14. April 2021 kündigte US-Präsident Joe Biden den Abzug aller US-Streitkräfte aus Afghanistan bis zum 11. September 2021 an. Die übrigen beteiligten NATO-Länder schlossen sich dem an.

Im August 2021 konnten die Taliban massive Geländegewinne im Land verbuchen, woraufhin die afghanische Regierung eine friedliche Machtübergabe an die radikal-islamistischen Taliban ankündigte. Am 15. August nahmen die Taliban den Präsidentenpalast sowie verlassene Polizeidirektionen in Kabul ein und verkündeten, dass der Krieg beendet sei. Am 19. August proklamierten die Taliban das Islamische Emirat Afghanistan. Am 6. September 2021 nahmen sie laut eigenen Angaben die letzte nicht unter ihrer Kontrolle stehende Provinz Pandschschir ein. Zuvor hatte sich dort mit der Nationalen Widerstandsfront von Afghanistan ein kleiner Widerstand gebildet.

Insgesamt kostete der Krieg schätzungsweise 176.000 Menschen das Leben, darunter 46.319 Zivilisten. In den Jahren nach der Invasion von 2001 kehrten mehr als 5,7 Millionen Flüchtlinge nach Afghanistan zurück, aber als die Taliban 2021 an die Macht zurückkehrten, waren immer noch 2,6 Millionen Afghanen Flüchtlinge und weitere 4 Millionen Binnenvertriebene.

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  2. Sam Collyns: Afghanistan: Pakistan accused of backing Taliban. BBC, 26. Oktober 2011, abgerufen am 4. Juni 2017 (englisch).
  3. Jason Burke: Pakistani spy agency’s relations with militants blamed for school massacre. The Guardian, 17. Dezember 2014, abgerufen am 4. Juni 2017 (englisch).
  4. Owen L. Sirrs: Pakistan's Inter-Services Intelligence Directorate: Covert Action and Internal Operations. Routledge, London; New York 2016, ISBN 978-1-138-67716-6, S. 221 ff., doi:10.4324/9781315559711 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. A new chapter in NATO-Afghanistan relations from 2015. (PDF; 182 kB) Media Backgrounder. NATO, Public Diplomacy Division (PDD) – Press & Media Section Media Operations Centre (MOC), 3. Februar 2015, abgerufen am 31. März 2015 (englisch).
  6. Afghan National Security Forces (ANSF): Training and Development. (PDF; 331 kB) Media Backgrounder. NATO, Public Diplomacy Division (PDD) – Press & Media Section Media Operations Centre (MOC), 18. April 2012, abgerufen am 6. September 2021 (englisch).
  7. [Resolute Support Mission (RSM): Key Facts and Figures] 26. Februar 2015.
  8. 1 2 3 4 Neta C. Crawford, Catherine Lutz: Human Cost of Post-9/11 Wars: Direct War Deaths in Major War Zones. (PDF) Watson Institute for International and Public Affairs at Brown University, November 2019, S. 1, abgerufen am 2. Mai 2020 (englisch, Summe der Werte US Military, US DOD Civilian und Other Allied Troops.).
  9. Officials Count Around 30,000 War Dead in Afghanistan This Year | Voice of America – English. Abgerufen am 29. Mai 2020 (englisch).
  10. Mujib Mashal, Jawad Sukhanyar: ‘It’s a Massacre’: Blast in Kabul Deepens Toll of a Long War. In: The New York Times. 27. Januar 2018, abgerufen am 29. Mai 2020 (englisch).
  11. Over 2,500 Afghan soldiers killed from Jan-May: US report. 1. August 2017, abgerufen am 29. Mai 2020 (englisch).
  12. New Year May Bring Renewed War to Afghanistan. Abgerufen am 29. Mai 2020 (englisch).
  13. 2019 begins, ends with bloodshed in Afghanistan. Abgerufen am 29. Mai 2020 (englisch).
  14. Rod Nordland, Mujib Mashal: U.S. and Taliban Edge Toward Deal to End America’s Longest War. In: The New York Times. 26. Januar 2019, ISSN 0362-4331 (englisch, Online [abgerufen am 29. Mai 2020]).
  15. Afghan Officials: Islamic State Fighters Finding Sanctuary in Afghanistan. In: Voice of America. Abgerufen am 29. Mai 2020 (englisch).
  16. dpa: Konflikte: Biden kündigt Abzug aus Afghanistan bis 11. September an. In: Die Zeit. 14. April 2021, ISSN 0044-2070 (Online [abgerufen am 19. Juli 2024]).