Militärwissenschaft

Militärwissenschaft oder Wehrwissenschaft (englisch Military Science), früher Kriegswissenschaft, ist die Wissenschaft zur Gewinnung von Erkenntnissen über den Charakter und die Gesetzmäßigkeiten des Krieges, insbesondere des bewaffneten Kampfes im Krieg, über die Vorbereitung der Streitkräfte und des Landes auf den Krieg und die Methoden der Kriegsführung.

Der MehrzahlbegriffMilitärwissenschaften’ bzw. ‘Military Sciences’ findet zunehmend eine länderübergreifende, übernationale Anerkennung und Verwendung, um die militärischen Spezialisierungen oder auf das Militär bezogenen Teilgebiete aus dem Bereich der Gesellschafts-, der Natur- und der technischen Wissenschaften (z. B. Militärgeographie, Militärpädagogik oder Militärmedizin) zu verbinden. Ebenso wie die Definition sind die Teilgebiete der ‘Militärwissenschaften’ nicht abschließend festgelegt.

Die Militärwissenschaften werden auch angesehen als die Gesamtheit der wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Militär, insbesondere über die Streitkräfte und ihren Gebrauch – im Frieden, bei Konflikt- und Krisenlagen und im bewaffneten Konflikt (Krieg) – über die daran teilnehmenden Kräfte und Mittel sowie über die Prinzipien, Formen und Methoden der Verhütung (Verhinderung, Prävention), der Vorbereitung, Führung und Durchführung des organisierten bewaffneten Kampfes (eines Krieges).

Die Lehre und Forschung zur Militärwissenschaft ist in mehr als zehn Staaten nachgewiesen. Die Militärwissenschaft war in den Staaten des Warschauer Vertrages, darunter in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) eine staatlich anerkannte, selbstständige Wissenschaftsdisziplin.

  1. Autorenkollektiv: Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte. Mi – Z. 2., durchgesehene Auflage. Band 2. Berlin 1987, ISBN 3-327-00478-1, S. 629.
  2. Anders McDonald Sookermany: Handbook of Military Sciences. Year 2020. Englisch. (de – Handbuch der Militärwissenschaften). (Hrsg.) Staff & Defence College, Norwegian Defence University College, Oslo, Norway / Cham Switzerland (Springer International Publishing) 2020, doi:10.1007/978-3-030-02866-4
  3. Anmerkung: Carl v. Clausewitz (1780–1831) meidet den Begriff ‘Einsatz’, wenn er den Gebrauch der Streitkräfte durch die Politik, das heißt den ‘politischen Gebrauch’ im Blick hat. Dagegen wird in einer Definition bei Andreas Stupka (2010) vom ‘Einsatz’ gesprochen. Zit.: „Unter den Militärwissenschaften ist die Gesamtheit aller wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Verwendung und den „Einsatz“ von Streitkräften zu verstehen.“ In: Andreas Stupka: Militär Kritisch Denken – Wissenschaftsphilosophisch-theoretische Studien zu den Grundlagen der Militärwissenschaften. Dissertation, Universität Wien 2010, 407 S. Abruf am 6. August 2022, Zit. S. 375. (core.ac.uk)
  4. Andreas Thalhammer: Die Verwendung des Begriffs ‘Militärwissenschaften’ an ausgewählten ausländischen militärischen und zivilen Bildungseinrichtungen. In: Ders., Militärwissenschaften – Begriff, internationale Verwendung und Akzeptanz. der Landesverteidigungsakademie, Wien November 2012, 72 S.; darunter Tabelle 4.1, S. 61–65.
  5. Rainer Böhme: Die Militärakademie in Dresden (1959–1990). Ein Rückblick – aus Anlass ihrer Gründung vor 60 Jahren. In: DGKSP-Diskussionspapiere, Dresden Dezember 2018 ISSN 2627-3470. 23 S.