Flechte
Eine Flechte (lateinisch Lichen; von altgriechisch λειχήν leichēn) ist eine symbiotische Lebensgemeinschaft zwischen einem oder mehreren Mykobionten (aus altgriechisch μύκης mykes „Pilz“ und -biont „Lebewesen“ aus altgriechisch βίος bios „Leben“) und einem oder mehreren Photobionten (aus altgriechisch φῶς phōs „Licht“). Die Wissenschaft von den Flechten ist die Flechtenkunde oder Lichenologie.
Mykobionten sind Pilze; Photobionten sind Grünalgen oder Cyanobakterien, die mittels Photosynthese Licht in chemische Energieträger umwandeln. Die Eigenschaften der Flechten unterscheiden sich deutlich von jenen der Organismen, aus denen sie sich zusammensetzen. Erst in der Symbiose – eine für die beteiligten Arten nützliche Lebensgemeinschaft – bilden sich die typischen Wuchsformen der Flechten heraus, und nur in symbiotischer Lebensgemeinschaft mit Photobionten bilden Mykobionten die charakteristischen Flechtensäuren. Grünalgen in Flechten bezeichnet man auch als Phykobionten, Cyanobakterien in Flechten auch als Cyanobionten.
Weltweit sind in der Größenordnung etwa 13.500 Flechtenarten wissenschaftlich beschrieben (Mycobionten). Die Gesamtzahl wird auf etwa 20.000 geschätzt. Aus Deutschland werden 2051 Flechtanarten angegeben (Stand 2021). In Österreich waren es, im Jahr 2001, 2101 Arten. In Mittel- und Westeuropa sind nach Abschätzung etwa 95 Prozent der vorkommenden Arten schon bekannt und wissenschaftlich beschrieben, größere Lücken bestehen vermutlich noch auf der Südhalbkugel und in den Tropen.
Der Anteil endemischer Arten, die nur in einer begrenzten Region vorkommen, ist bei Flechten viel niedriger als bei Blütenpflanzen. Flechten werden immer nach dem Pilz benannt, der die Flechte bildet, da es meist dieser ist, der ihr die Form und Struktur gibt. Mehrere Photobionten können in einer Flechte vorhanden sein. Jüngste Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass auch mehr als eine Pilzart in einer Flechte vorkommen kann. In der biologischen Systematik werden Flechten den Pilzen (Fungi) zugerechnet, unter denen sie als eigene Lebensform eine Sonderstellung einnehmen; sie werden nicht den Pflanzen zugerechnet.
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