Kurze und lange Hessen
Die Straßen „durch die kurzen Hessen“ und „durch die langen Hessen“ waren zwei Altstraßen, auf denen man im Mittelalter von Frankfurt am Main kommend über Eisenach nach Leipzig reisen konnte. Der Name dieser Altstraßen kam von der Länge der Strecke, die auf dem Hoheitsgebiet der Landgrafschaft Hessen zurückgelegt werden musste. Die Straße „durch die langen Hessen“ führte mitten durch Hessen (Frankfurt – Kleinlinden – Treysa – Homberg – Spangenberg – Waldkappel – Creuzburg – Eisenach), während „durch die kurzen Hessen“ teilweise durch hersfeldisches Gebiet verlief (Frankfurt – Friedberg – Grünberg – Alsfeld – Hersfeld – Eisenach). Bei der zuletzt genannten Straße hatte man daher den kürzeren Weg durch Hessen. Eine dritte Altstraße war die Via Regia von Frankfurt durch das Kinzigtal nach Fulda und Eisenach und weiter nach Leipzig.
Die Altstraßen waren Naturwege, die die trockenen Höhen bevorzugten und die Niederungen mieden, da deren Befahrbarkeit zu sehr von der Witterung abhängig war. Es handelte sich weniger um Straßen im heutigen Sinne, eher um sich auffächernde und am gemeinsamen Ziel wieder zusammenführende Straßenspinnen, wie sie auf der Karte der Messestraßen des 16. Jahrhunderts (siehe Abschnitt Weblinks) erkennbar sind.
- ↑ In einer Urkunde aus dem Jahr 1569 schrieb ein Leipziger: „Wenn man hinnen (Leipzig) auf Frankfurt will, so hat man zweierlei ordentliche Straßen durchs Land zu Hessen, welche wir und vor uns unsere Vorfahren, eine lange Zeit und weit über Menschengedenken, unverhindert gebraucht haben. Die eine geht durch die kurzen Hessen auf Eisenach, Hersfeld, Alsfeld und Grünberg, die andere durch die langen Hessen auf Eisenach oder Kreuzbrug, Kappel, Spangenberg, Treisa, Kirchhain und Gießen.“ Georg Landau, Seite 62 ff.