Lucius Volcacius Tullus (Konsul 33 v. Chr.)
Lucius Volcacius Tullus war ein römischer Senator zum Ende der Republik.
Er war sehr wahrscheinlich der Sohn des Lucius Volcacius Tullus, der 66 v. Chr. Konsul gewesen war. Möglicherweise war er außerdem ein Vetter oder sonstiger Verwandter des Gaius Volcacius Tullus, der in den Jahren 53–48 v. Chr. als einer der Heerführer Caesars diente. Die gens Volcacia scheint ursprünglich aus Perusia gestammt zu haben.
Im Jahr 46 v. Chr. bekleidete er das Amt des praetor urbanus. Wahrscheinlich ist er auch mit dem bei Cicero erwähnten Volcacius identisch, „der in Rom Recht spricht“. Im Jahr 45 v. Chr. wurde er von Gaius Antistius Vetus, der als Quästor mit proprätorischer Gewalt die Provinz Syria verwaltete, in einem Brief an Lucius Cornelius Balbus Maior beschuldigt. Der Vorwurf lautete, er habe Quintus Caecilius Balbus in einem aufrührerischen Gefecht keine Unterstützung geleistet. Daraus lässt sich schließen, dass Volcacius Tullus zu dieser Zeit Statthalter von Kilikien gewesen sein dürfte.
Im Jahr 33 v. Chr. war er ordentlicher Konsul gemeinsam mit Octavian, dem späteren Kaiser Augustus. Octavian legte das Konsulat jedoch bereits am 1. Januar nieder; an seine Stelle trat als Suffektkonsul Lucius Autronius Paetus. Bereits am 1. Mai wurden sie wiederum durch Lucius Flavius und Gaius Fonteius Capito ersetzt. Später amtierte Volcacius Tullus als Prokonsul der Provinz Asia. Unter seinem Vorsitz beschlossen die Vertreter der asiatischen Städte, die sich in Smyrna versammelt hatten, einem jeden, der die höchsten Ehren für den „vergöttlichten“ Augustus ersinnen würde, einen Ehrenkranz zu verleihen.
Tullus ist zweifelsfrei mit dem Tullus identisch, den der Elegiendichter Properz in seinen Gedichten anspricht. In der Elegie 1,6 erwähnt Properz den bevorstehenden oder bereits ausgeübten Prokonsulat des Tullus in der Provinz Asia und bezieht sich auf die meritae secures („verdienten Beile“) seines Onkels (patruus), dessen Verwaltungsleistung er beim Ausüben eines Anteils am übertragenen imperium erreichen oder übertreffen solle. Das Gedicht wird in der Forschung gewöhnlich um 28 v. Chr. datiert. Daraus ergibt sich, dass Volcacius Tullus höchstwahrscheinlich in den Jahren 28/27 oder 27/26 v. Chr. – möglicherweise bereits 29/28 v. Chr. – Prokonsul der Provinz Asia war. Die Identität dieses Onkels bleibt unbekannt; es handelte sich vermutlich um einen älteren Angehörigen der gens Volcacia, der zuvor bereits imperium innegehabt hatte. Es ist auch denkbar, dass damit der Konsul des Jahres 66 v. Chr. gemeint ist.