Marcus Aquilius Regulus

Marcus Aquilius Regulus war ein römischer Senator und Delator, der während der Herrschaft von Nero und Domitian aktiv war.

Aquilius Regulus war eine prominente und umstrittene Figur der römischen Gesellschaft. Sein Reichtum, geschätzt auf etwa 60 Millionen Sesterzen, sowie seine zahlreichen Landhäuser in Tusculum, Umbrien und Etrurien machten ihn zu einer polarisierenden Persönlichkeit, die sowohl Anziehung als auch Abscheu hervorrief. Im Jahr 67 klagte er Quintus Sulpicius Camerinus (Konsul 46) an und etwa zur gleichen Zeit, jedoch nicht vor 65, den Servius Cornelius Orfitus sowie den Marcus Licinius Crassus. Besonders Crassus’ Sohn Piso verabscheute er.

Im Jahr 70, als er das Amt des Quästors bekleidete, wurde Regulus selbst von Curtius Montanus angeklagt, jedoch von seinem Halbbruder Vipstanus Messalla verteidigt. Für die Zeit unter Kaiser Domitian ist überliefert, dass Regulus weiterhin als Ankläger tätig war; in den Quellen wird sein Verhalten dabei mit den Worten „nicht geringere Vergehen als unter Nero, aber heimlicher“ (non minora flagitia quam sub Nerone, sed tectiora) charakterisiert. In dieser Zeit führte er Prozesse vor dem Centumviralgericht, wodurch er sich die Feindschaft des jüngeren Plinius zuzog. Nach der Verurteilung von Herennius Senecio und Quintus Iunius Arulenus Rusticus um 93 n. Chr. veröffentlichte er eine Schmähschrift gegen sie, in der er Rusticus als „stoischen Affen“ (stoicorum simia) und als von einer „vitellianischen Wunde stigmatisiert“ (Vitelliana cicatrice stigmosum) verspottete.

Unmittelbar nach dem Tod des Kaisers Domitian im Jahr 96 berichtet Plinius, dass Regulus Lucius Fabius Iustus ersucht habe, eine Aussöhnung mit ihm herbeizuführen. Regulus fürchtete um seine Sicherheit, da er als einflussreicher, aber moralisch fragwürdiger Akteur der domitianischen Ära nun politisch isoliert war. In dieser unsicheren Lage suchte er eine Annäherung an Plinius. Plinius hingegen, wie in seinem Brief aus dem Jahr 97 ersichtlich, war vorsichtig und wollte zunächst den Rat seines Freundes Iunius Mauricus abwarten, der aus dem Exil zurückkehrte. Mauricus, von Plinius als „ein ernster Mann, klug, durch viele Erfahrungen gelehrt und fähig, aus der Vergangenheit die Zukunft vorauszusehen“ beschrieben, galt als besonnener und weitsichtiger Berater. Aus Plinius’ späterem Verhalten gegenüber Regulus wird deutlich, dass Mauricus von einer Versöhnung mit Regulus abriet. Plinius folgte diesem Rat und hielt Distanz zu Regulus.

Im Jahr 100 nahm er an Senatsverhandlungen teil. Von Kaiser Nero hatte er ein Priesteramt und beträchtlichen Reichtum erhalten. Dennoch versuchte er unter Kaiser Trajan, sich durch fragwürdige Mittel Erbschaften zu sichern. Er starb kurz nach dem Tod seines Sohnes.

Regulus gehörte zu den Förderern des Dichters Martial, der ihm mehrere Epigramme widmete. In 1,12 und 1,82 feiert Martial das glückliche Entkommen Regulus’ aus einem Unfall (Einsturz einer Portikus auf dessen Landgut) und interpretiert das Ereignis als Beweis göttlicher Fürsorge für einen so bedeutenden Mann. In 6,38 lobt er den kleinen Sohn Regulus’, der bereits die Redekunst seines Vaters bewundere und nachahme. Weitere Stellen heben Regulus als eloquenten Redner hervor. Diese Gedichte sind typische panegyrische Klientel-Poesie und zeigen, dass Martial seinen Patron positiv und schmeichelnd darstellte – im deutlichen Kontrast zur kritischen Sicht des jüngeren Plinius.

  1. Marinova, S. 190.
  2. Plinius, Epistulae 1,5,3; vgl. Cassius Dio, Römische Geschichte 63 18,2.
  3. Tacitus, Annalen 16,12.
  4. Tacitus, Historien 4,42; Plinius, Epistulae 1,5,3.
  5. Tacitus, Historien 4,42; Plinius, Epistulae 2,20,2.
  6. Tacitus, Historien 4,42.
  7. Plinius, Epistulae 1,5,21.
  8. Plinius, Epistulae 1,5,5.11.20; 4,2; Martial 2,74; 6,38.
  9. Plinius, Epistulae 1,5,2-4; Marinova, S. 201.
  10. Plinius, Epistulae 1,5,8.
  11. Plinius, Epistulae 1,5.
  12. Plinius, Epistulae 2,11,22.
  13. Tacitus, Historien 4,42; Plinius, Epistulae I 1,5,15; 2,20,13; 4,2,5.
  14. Plinius, Epistulae 2,20.
  15. Plinius, Epistulae 6,2.
  16. Martial, Epigramme 2,74; 5,28.