Mikrobialith

Mikrobialithen (englisch microbialites, von neulateinisch microbia Mikrob(i)en, ursprünglich altgriechisch μικρός mikros, deutsch klein und βίος bios, deutsch Leben) sind benthische Sedimentablagerungen aus Karbonatschlamm (mit einem Partikeldurchmesser weniger als 5 μm), die durch die Vermittlung von Mikroben gebildet werden. Der konstituierende Karbonatschlamm ist eine Art „Automikrit“ (d. h. autochthoner Mikrit oder authigener Karbonatschlamm, englisch authigenic carbonate mud). Das bedeutet, dass er in situ ausfällt und nicht hertransportiert und abgelagert wird. Deshalb kann ein Mikrobialith als eine nach der Dunham-Klassifikation als ein Boundstone angesehen werden, bei dem die Riffbildner Mikroben sind und die Ausfällung der Karbonatpartikel durch diese biotisch induziert (in Gegensatz zu einem Seeigel-Gehäuse (englisch test), einer Muschelschale oder einem Skelett). Mikrobialithen können auch als mikrobielle Matten mit Lithi­fikations­ver­mögen definiert werden. Bakterien können sowohl im flachen als auch – mit Ausnahme der phototrophen Cyanobakterien – im tiefen Wasser Karbonat ausfällen. Daher können sich grundsätzlich Mikrobialithen unabhängig vom Sonnenlicht bilden.

Mikrobialithen sind die Grundlage vieler lakustrischer (limnische) Ökosysteme. Beispiele sind:

  • das Biosystems des Großen Salzsees in Utah mit seinen Millionen von Zugvögeln,
  • der alkalische Kratersee von Alchichica (Mexiko), wo sie die Kinderstube des Brackwasser-Querzahnmolchs (Ambystoma taylori) und einer Vielzahl von Fischen bilden.
  • Im Großen Salzsee (Utah) sind speziell an die hypersalinen Bedingungen angepasste Nematoden mit den dortigen Mikrobialithen assoziiert.

Mikrobialithen waren für die Bildung von präkambrischen und phanerozoischen Kalksteinen in vielen verschiedenen marinen und nicht marinen Umgebungen von großer Bedeutung. Die große Zeit der Stromatolithen (meist von Cyanobakterien gebildete geschichtete Mikrobialithen) war vor 2,8 bis 1,0 Milliarden Jahren, als sie die Hauptbestandteile von Karbonatplattformen waren.

  1. neu gezeichnet und vereinfacht nach Schmid (1996)
  2. Strelley-Pool-Hornstein ist englisch Strelley Pool Chert (SPC)
  3. der Eigenschaft, per Fossilisation bzw. Diagenese eine Versteinerung bilden zu können
  4. 19,4167° N, 97,4° W, in Puebla (Mexiko)
  1. Strelley Pool. Auf Mapcarta (de).
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