Moralische Ökonomie

Der Begriff moralische Ökonomie (von englisch moral economy) bezeichnet von moralischen Werten getragene Wirtschaftsweisen, deren vorrangiges Prinzip die gegenseitige Unterstützung ist. Moralische Ökonomie ist kein normatives Konzept. Vielmehr handelt es sich um einen Gegenbegriff zur Politischen Ökonomie, die seit der Aufklärung mit dem Anspruch auftrat, objektive Gesetzmäßigkeiten des Wirtschaftslebens aufzuzeigen. Jenem Anspruch zufolge handeln allein diejenigen rational, die sich diesen als objektiv dargestellten Gesetzen des Marktes vor allem in Hinblick auf Löhne und Lebensmittelpreise unterwerfen. Unterschiedliche Formen moralischer Ökonomie negieren die Allgemeingültigkeit der von der Politischen Ökonomie behaupteten objektiven Wahrheiten. Sie machen dagegen typischerweise Notwendigkeiten des Überlebens oder auch des den Sitten gemäßen – also im strikten Sinne „moralisch“ guten oder akzeptablen Lebens – geltend. Vorbilder des Modells einer „moralischen Ökonomie“ sind die traditionellen Subsistenzwirtschaften früherer Kulturen oder heutiger lokaler Gemeinschaften.

  1. Olaf Kaltmeier und Reinhart Kößler: Moralische Ökonomie. In: PERIPHERIE Nr. 121, 31. Jg. 2011, p. 73-76. Abgerufen am 24. März 2020.