Moscato di Scanzo
Moscato di Scanzo DOCG oder auch nur Scanzo DOCG ist die Herkunftsbezeichnung eines italienischen Weines aus der Gemeinde Scanzorosciate in der Lombardei. Das zu den kleinsten Appellationen Italiens zählende, traditionsreiche Weinbaugebiet liegt zur Gänze innerhalb der Kommunalgrenzen der Gemeinde Scanzorosciate in der Provinz Bergamo, etwa 50 Kilometer nordöstlich von Mailand und 8 Kilometer nordöstlich von Bergamo. Die in den hügeligen, südexponierten Ausläufern der Bergamasker Alpen gelegene Weinbauzone umfasst heute etwa 30 Hektar, die sich vor allem in den nördlichen und östlichen Bereichen der Gemeinde konzentrieren. Das Gebiet und der dort erzeugte Passito wurden 2002 als DOC (Denominazione di Origine Controllata) eingerichtet und 2009 in eine DOCG hochgestuft. Zum Teil liegen ihre Lagen innerhalb der DOC Valcalepio und der Terre del Colleoni.
Einzige für die Erzeugung des DOCG-Weines zugelassene Rebsorte ist die rote Muskatellerart Moscato di Scanzo, deren Hauptanbaugebiet in dieser DOCG liegt. Die Qualitätsrebe hat wahrscheinlich ihren Ursprung in dieser Region. Da ihre Kultivierung aufwändig ist und die Erträge unzuverlässig sind, geht die mit ihr bestockte Rebfläche kontinuierlich zurück. Außer dem Passito werden aus dieser Rebe auch bemerkenswerte trockene Rotweine, meist Cuvées mit Merlot und/oder Cabernet Sauvignon hergestellt, doch sind diese Weine nicht DOCG zertifiziert.
Der tief granatrote, meist mäßig süße Passito, wird sortenrein aus wenigstens drei Wochen luftgetrockneten Trauben der Moscato di Scanzo gekeltert. Er reift zumindest zwei Jahre in Stahltanks, bevor er auf Flaschen gezogen wird und in den Handel gelangen kann.
Weinbau geht in dieser Region wahrscheinlich auf die Römerzeit zurück. Nach dem Sieg über die Gallier bekamen viele römische Legionäre, darunter auch griechischstämmige, als Veteranen hier ihr Landgut und fingen an, Weinbau zu betreiben. Der Name Rosciate (die selbständigen Gemeinden Scanzo und Rosciate wurden 1927 zu einer Gemeinde fusioniert) wird neben anderen Erklärungsversuchen von den Wortteilen altgriech. ῥώξ (=Weinbeere) und kelt. ate (=Dorf), also Weintraubendorf hergeleitet. Im Mittelalter war dieser Wein an den Renaissancehöfen Oberitaliens ein begehrtes Produkt und in England zählte er im 18. Jahrhundert zu den teuersten Weinen. Im 19. Jahrhundert war er der einzige italienische Wein, der an der Londoner Börse gehandelt wurde und noch immer kauft die Haushaltung des englischen Königshofes Weine aus dieser DOCG. Heute wird der Moscato di Scanzo von etwas weniger als 40, meist kleinen Betrieben in aufwändiger Handarbeit produziert. 33 von ihnen sind in einem Erzeugerkonsortium, dem Consorzio di Tutela Moscato di Scanzo (etwa Markenschutzbündnis) zusammengeschlossen. Die durchschnittliche Produktionsmenge beträgt jährlich etwa 60 000 meist einen halben Liter (seltener 0,375 Liter) fassende Flaschen, ist jedoch sehr starken Schwankungen unterworfen. Deshalb sind gute Weine aus dieser DOCG hochpreisige Produkte; sie zählen jedoch zu den besten Passiti Italiens.
- 1 2 Disciplinare di Produzione (Produktionsvorschriften und Beschreibung). (PDF) wineacts.it, abgerufen am 16. Juli 2020 (italienisch, I vini italiani a Dop e a Igp).
- ↑ Karte und Liste der Anbaugebiete, auf federdoc.com
- ↑ Moscato di Scanzo in der Datenbank Vitis International Variety Catalogue des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof (englisch) Juni 2020
- ↑ Wine Grapes (siehe Literatur) Stichwort: Moscato di Scanzo
- ↑ Informationsbroschüre (PDF), consumatorilombardia.it, abgerufen am 4. Dezember 2015
- ↑ Website des Consorzio
- ↑ Zona di produzione e storia
- ↑ Tom Stephenson: The New Sotheby’s Wine Encyclopedia. Dorling Kindersley 1997, ISBN 0-7513-0313-5, S. 316 /Good non-DOC Moscato is made in Lombardy and the Moscato di Scanzo ist undoubtedly the best. (Anm. Verf.: Bei der Drucklegung der Auflage dieses Werkes war Scanzo noch keine DOC)