Mundöffnungsritual

Mundöffnungsritual in Hieroglyphen


Wepet-ra
Wpt-rʒ
Öffnung des Mundes

Mundöffnungsritual (Papyrus Hunnefer um 1290 v. Chr.)

Das Mundöffnungsritual (auch Augenöffnungsritual) stellte ein altägyptisches Opfer- und Belebungsritual dar, welches mittels einer festgelegten szenischen Abfolge von magisch-rituellen Einzelhandlungen stattfand. Es wurde an Statuen, Tempeln, Uschebtis, Skarabäen sowie im Rahmen der Mumifizierung vollzogen und diente deren Beseelung sowie zur Befähigung, alle körperlichen Funktionen mit gottgleichen Wirkungskräften zu gebrauchen.

Das Belebungsritual fand bereits in der Frühdynastik Anwendung. Ab dem Alten Reich ließen sich in diesem Zusammenhang die Könige von sich selbst zu Lebzeiten Statuen erstellen, die bis zum Tod in besonderen Räumlichkeiten aufbewahrt wurden. Mit Eintritt des Todes überführte das priesterliche Horusgeleit die noch liegende göttliche Statue des Königs in den heiligen Schrein als Gleichsetzung von Osiris. Nach Beendigung der siebzigtägigen Einbalsamierung und dem unmittelbar folgenden Begräbnis „öffneten“ die Horus-Diener den Mund der nun stehenden göttlichen Königsstatue, um sie als Horus in seiner Eigenschaft als Sohn des Osiris zu beleben und abschließend im Schrein in aufrechter Haltung zu platzieren.

  1. Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie. 4., überarbeitete Auflage, Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04027-0, S. 193.
  2. Siegfried Schott: Der Denkstein Sethos' I. für die Kapelle Ramses' I. in Abydos (= Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Philologisch-Historische Klasse. 1964, Band 1, ISSN 0065-5287). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1964, S. 71–73.