Mutʿa-Ehe

Die Mutʿa-Ehe (arabisch نكاح المتعة, DMG nikāḥ al-mutʿa ‚Ehe des Genusses‘) oder Sigheh-Ehe (persisch صیغه, DMG ṣīġe, ‚Formel‘), deutsch auch Zeitehe, ist eine zeitlich begrenzte Ehe, die von zwölfer-schiitischen Muslimen als zulässig (Mubāh) angesehen wird und für einen Zeitraum von einer halben Stunde bis 99 Jahre geschlossen wird. Die übrigen islamischen Gruppierungen lehnen diese Form der Ehe mehrheitlich ab (siehe auch Islamische Ehe).

Eine ähnliche Ehe auf Zeit gibt bzw. gab es auf stammesrechtlicher Grundlage beispielsweise in Äthiopien bei den Amhara und Tigrinya unter der Bezeichnung Dämoz (amharisch ደሞዝ Lohn).

  1. Vgl. Junker/Alavi: Persisch-deutsches Wörterbuch, Leipzig/Teheran 1970, S. 488.
  2. Der Ausdruck ṣīġeh („Formel“) geht auf die Formel des zugrundeliegenden Vertrages zurück; weitere Bezeichnungen: nikāḥ tamattuʿ, nikāḥ muwaqqat, nikāḥ munqaṭiʿ, wobei nikāḥ auch durch zawāğ ersetzt werden kann; vergleiche Nelson Müller: Mauqif aš-šarīʿa al-ġarrāʾ min nikāḥ al-mutʿa. Muhammad ʿAlī aṣ-Ṣābūnīs Beitrag zur innerislamischen Diskussion um die Zeitehe. Studienarbeit, Grin 2015, ISBN 978-3-668-11096-0, S. ?? (Leseprobe in der Google-Buchsuche).
  3. Giovanna Trento: Ethiopian‑Italians, in: Chroniques yéménites 17 (2012), Rn. 12; Zuzanna Augustyniak: Marriages in Ethiopia, in: Studies of the Department of African Languages and Cultures 43 (2009), S. 102; Hatem Ellisie: Der zweite Band der Encyclopaedia Aethiopica im Vergleich, in: Orientalistische Literaturzeitung 102 (2007), Sp. 403 f. unter Hinweis auf eine Entscheidung des Amtsgerichts Stuttgart-Bad Cannstatt, Aktenzeichen 4 F 566/01