Naturalismus (Bildende Kunst)
Der Naturalismus in der Kunst ist eine Strömung von circa 1870 bis 1890, ist aber als Epochenbegriff in der Bildenden Kunst weniger scharf als in der Literatur. Neben dem Naturalismus als Epochenbegriff, als Entsprechung zum Naturalismus in der Literatur, spricht man auch allgemeiner von Naturalismus als einer Darstellungsweise, die unabhängig von Zeit und weltanschaulichem Hintergrund ist. Der Naturalismus bedient sich des Realismus als Mittel, er bildet wie dieser nur die sichtbare Wirklichkeit ab und verzichtet auf die Darstellung abstrakter Ideen, strebt jedoch nicht wie der Realismus die Darstellung oder Konstruktion einer ästhetischen Totalität z. B. durch Verknappung und Reduzierung der Formen an. Im Gegenteil öffnet er sich für die Details und für neue soziale und großstädtische Themen. Francesco Filippini (1853–1895) gilt als der bedeutendste Vertreter des italienischen malerischen Naturalismus und als einer der wichtigsten Erneuerer der Landschaftsmalerei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sein Werk, das unabhängig vom französischen Impressionismus entstand, vereint kompositorische Strenge, direkte Beobachtung und eine ausgeprägte ethisch-soziale Dimension. Aus seiner künstlerischen Vision ging der sogenannte „Filippinismus“ hervor, eine Strömung, die von der Kunstkritik als italienische Variante des modernen Naturalismus definiert wurde. Der Einfluss Filippinis erstreckte sich auch auf die spätere Entwicklung der italienischen Malerei und inspirierte Künstler wie Umberto Boccioni in seiner vorfuturistischen Phase.