Nervosität

Klassifikation nach ICD-10
R45.0 Nervosität, Nervöser Spannungszustand
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Klassifikation nach ICD-11
MB24.3 Angst
MB24.F Ruhelosigkeit
ICD-11: EnglischDeutsch (Vorabversion)

Nervosität (engl. tension, anxiety) oder innere Unruhe ist eine Gemütsverfassung von Menschen (und auch Tieren) die sich durch Entfernung vom Ruhezustand und Verringerung oder Verlust der Gelassenheit darstellt. Kennzeichnend für diese häufig umgangssprachlich benutzte Bezeichnung ist die verbreitete und eingebürgerte weitgehend wissenschaftsgeschichtliche Hypothese einer psychophysischen Korrelation, das heißt eines Zusammenhangs zwischen Nervenfunktionen und seelischem Befinden bzw. Gemütsverfassung.

Die innere „nervöse Verfassung“ kann sich nach außen sichtbar machen, durch erkennbare Unruhe wie z. B.:

  • schnelle Augenbewegungen, Lidflattern,
  • unruhige Hand- und Armhaltung,
  • Hin- und Herlaufen,
  • veränderte, angehobene Stimmlage und schnelles, weniger kontrolliertes Sprechen,
  • Schweißausbrüche
  • Herzrasen
  • Zittern
  • sonstige Kontroll-Verringerung,
  • viele weitere Äußerungen der Körpersprache.

Diese Symptomatik ist als variabel und vielgestaltig anzusehen.

Ausgelöst werden kann Nervosität durch Spannungssituationen (z. B. Prüfungen, bevorstehende schwierige Lebenssituationen oder Gespräche). Es ist aber auch möglich, dass Nervosität auf Grund von Erkrankungen oder Hormonumstellungen entsteht. Auch Medikamente können Nervosität auslösen.

Nervosität kann aber auch ein Wesenszug sein, der dem Charakter eines Menschen (oder Tieres: bei Pferden z. B.) zukommt.

Umgangssprachliche Bezeichnungen sind „Nervenleiden“ als Synonym für psychische Krankheit oder „Nervenkrise“ als Synonym für eine stärkere seelische Reaktion auf ein als belastend empfundenes Erlebnis oder als Ausdruck einer subjektiv als kritisch empfundenen Lebensphase.

Auch für die medizinische Diagnose und Therapie ist Nervosität (etwa im Sinne von Unruhezustand) ein gängiger Begriff.

Nervosität wird durch die Ausschüttung von Stresshormonen ausgelöst. Die bekanntesten Hormone, die der Körper bei einer Stressreaktion freisetzt, sind Noradrenalin, Adrenalin und Cortisol. Noradrenalin und Adrenalin gehören zum sogenannten sympatho-adrenomedullären System. Dieses System aktiviert sich sofort, wenn der Mensch einem Stressfaktor ausgesetzt ist.

  1. Nervosität, DocCheck Flexikon
  2. Nervenkrise. und Nervenleiden. In: Uwe Henrik Peters: Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie. 3. Auflage. Urban & Schwarzenberg, München 1984, S. 368.
  3. Martin Lindig: Schmerz, Sedierung und Narkose. In: Jörg Braun, Roland Preuss (Hrsg.): Klinikleitfaden Intensivmedizin. 9. Auflage. Elsevier, München 2016, ISBN 978-3-437-23763-8, S. 581–618, hier: S. 588 (Therapie bei Unruhezuständen, Psychose und Delir).
  4. Stresshormone – Die Funktion von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol, AOK-Magazin