Neuer Materialismus

Neuer Materialismus (auch: Neomaterialismus oder New Materialisms) bezeichnet eine interdisziplinäre und heterogene theoretische Strömung, die sich mit den Beziehungen des Menschen zu Technologie, Natur und Umwelt befasst. Der Begriff Neuer Materialismus wurde in den 1990er Jahren geprägt und kann als Reaktion auf die durch ökologische Krisen veränderte Umwelt und den rapiden technischen Fortschritt betrachtet werden.

Gemeinsame Anliegen der diversen Neuen Materialismen sind:

  • die Überwindung der Zentralstellung des menschlichen Subjekts, also des in der Philosophie hegemonialen Anthropozentrismus
  • die Erneuerung einer Konzeption von Materie als aktiv und wirkmächtig
  • die Befürwortung eines revisionären ontologischen Theorieformats
  • der Vorschlag einer „Komplexifizierung von Natur-Kultur-Verhältnissen als Kontinuum“.

Zu den meist rezipierten Vertreterinnen der Neuen Materialismen gehören Donna Haraway, Rosi Braidotti, Karen Barad und Jane Bennett.

  1. Louka Maju Goetzke, Tamara Schwertel: Neuer Materialismus. socialnet.de, 15. April 2021, abgerufen am 13. Januar 2023.
  2. Rick Dolphijn, Iris van der Tuin: New materialism: interviews & cartographies (= New metaphysics). Open humanities press, Ann Arbor 2012, ISBN 978-1-60785-281-0.
  3. Diana Coole, Samantha Frost: Introducing the New Materialisms. In: Diana Coole, Samantha Frost (Hrsg.): New Materialisms. Ontology, Agency and Politics. Duke University Press, Durham & London 2010, S. 1–43.
  4. Martin Kallmeyer: New Materialism: neue Materialitätskonzepte für die Gender Studies. In: Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-12500-4, S. 1–10, S. 1.