Nordkorea
Die Demokratische Volksrepublik Korea (koreanisch 조선민주주의인민공화국, [], Chosŏn Minjujuŭi Inmin Konghwaguk, kurz DVRK, seltener Koreanische Demokratische Volksrepublik oder KDVR), bekannt als Nordkorea, ist ein Staat in Ostasien, der den nördlichen Teil der Koreanischen Halbinsel umfasst, im Süden entlang der Demilitarisierten Zone an Südkorea und im Norden entlang den Flüssen Amnok und Duman an China und Russland grenzt. Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Pjöngjang. Weitere Großstädte sind Nampo, Kaesong und Rason. Wie Südkorea beansprucht auch Nordkorea die Forderung als alleinige legitime Regierung Koreas.
Nordkorea ist verfassungsgemäß ein sozialistischer Einparteienstaat, der von der Demokratischen Front für die Wiedervereinigung des Vaterlandes unter der Führung der Partei der Arbeit Koreas regiert wird. Das Regierungssystem wird von Menschenrechtsorganisationen und Regierungen anderer Länder als totalitär bezeichnet.
Das erste Staatsoberhaupt des Landes, Kim Il-sung, nutzte den Koreakrieg und den August-Vorfall, um seine politischen Gegner zu beseitigen und seine Macht zu konsolidieren. Nach seinem Tod setzten seine Nachkommen Kim Jong-il und Kim Jong-un die Gewaltherrschaft fort und übernahmen ebenso seinen Personenkult. Nordkorea gilt als einer der restriktivsten international anerkannten Staaten der Gegenwart. In verschiedenen Demokratieskalen belegt das Land seit Beginn der Messungen bis heute durchgehend einen der letzten Plätze. Die Staatsführung steht wegen schwerer Verletzungen der Menschenrechte weltweit in der Kritik und das Land ist international weitgehend isoliert.
Die koreanische Halbinsel ist seit dem Altpaläolithikum von Menschen bewohnt und die ersten Siedlungen stammen aus der Jungsteinzeit. Die ersten Aufzeichnungen von Staatentümern tauchen im 7. Jhd. v. Chr. auf. Nach der Vereinigung der Drei Reiche Koreas durch Silla und Balhae wurde Korea von der Goryeo-Dynastie (918–1392) und der Joseon-Dynastie (1392–1897) regiert. Das darauffolgende Kaiserreich Korea wurde 1910 von Japan annektiert. Nach dem Ende der japanischen Besatzung und der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg wurde Korea von der Sowjetunion und den USA in zwei Besatzungszonen geteilt. Versuche auf eine Einigung schlugen fehl und die Teilung verhärtete sich auf politischen Linien. Der Koreakrieg (1950 bis 1953) besiegelte die Spaltung der koreanischen Halbinsel (siehe dazu Korea-Konflikt).
Nordkorea steht wegen der Entwicklung und Weitergabe von militärischer Raketentechnik etwa seit dem Jahr 2000 im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. 2005 wurde bekannt gegeben, dass ein nordkoreanisches Kernwaffenprogramm existiert. 2011 war jeder zwanzigste Nordkoreaner Angehöriger des Militärs.
Nordkorea lag beim BIP pro Kopf und dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) bis in die 1970er-Jahre vor dem Süden, wurde jedoch im Zuge von Südkoreas rasantem Wirtschaftswachstum schnell überholt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre – Nordkoreas wichtigstem Handelspartner und Unterstützer – brach ein Großteil des Außenhandels ein. Infolge fehlender Energieimporte und mangelnder technischer Unterstützung kam es zu einer schweren Energiekrise. Diese verschärfte die Probleme bei der landwirtschaftlichen Produktion drastisch und führte Mitte der 1990er-Jahre zu einer verheerenden Hungersnot, der Schätzungen zufolge zwischen 240.000 und 3 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Nordkorea zählt heute zu den ärmsten und unterentwickeltsten Ländern der Welt, ist aber aufgrund intransparenter Statistiken nicht im HDI (Human Development Index) vertreten. Es mehren sich insbesondere seit den vollständigen Grenzschließungen im Rahmen der Covid-19-Pandemie wieder die Anzeichen einer neuerlichen Hungersnot im Land. Aufgrund der starken Abschottung sowie der geringen Zahl an Ausländern im Land, welche durch die Pandemie noch einmal stark gesunken ist, gibt es jedoch so gut wie keine Augenzeugenberichte von der humanitären Lage vor Ort.
- ↑ The World Factbook, 2012. CIA, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 12. August 2015; abgerufen am 27. Juli 2012.
- ↑ United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2022). World Population Prospects 2022, Online Edition. (XLSX; 93,17 MB) In: United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division. Vereinte Nationen, Juli 2022, abgerufen am 13. August 2022 (englisch).
- ↑ Nordkorea: Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen von 2010 bis 2020. Statista, abgerufen am 25. Juli 2021.
- ↑ Korea Focus – Estimation of North Korea’s Nominal Per Capita GDP in 2012 ( vom 4. März 2016 im Internet Archive), Abbildungen 7 und 8
- ↑ Human Development Report 2013 Summary. (PDF; 807 kB) The Rise of the South: Human Progress in a Diverse World. In: hdr.undp.org. Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen – UNDP, 2013, S. 19, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 11. Juli 2024 (englisch).
- ↑ Kim Jong-il Son Cleared as Top Military Commander. In: nytimes.com, New York Times, 24. Dezember 2011 (1.1 million troops on active duty in a country with a population of 23 million.).
- ↑ A. N. Lanʹkov: The real North Korea: life and politics in the failed Stalinist utopia. Oxford University Press, Oxford 2013, ISBN 978-0-19-996429-1.
- ↑ David Freudenthaler, Julia Wenzel: Nordkorea: Das Land hinter der Schurkenstaat-Fassade. In: Die Presse. 26. Februar 2019, abgerufen am 7. Februar 2023.
- ↑ Welthungerhilfe: Hungerkrise in Nordkorea verschärft sich. Abgerufen am 6. Juli 2023.
- ↑ BBC: North Korea: Residents tell BBC of neighbours starving to death. Abgerufen am 6. Juli 2023.
- ↑ The Economist: North Koreans are at growing risk of starvation. Abgerufen am 6. Juli 2023.
- ↑ Chad O'Carroll: More Russian diplomats leave North Korea as country maintains COVID controls. Abgerufen am 6. Juli 2023.