Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen
Die Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen enthält Ereignisse, die nach der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) als Unfall der Stufe 4 oder höher eingestuft wurden und sich in einer kerntechnischen Anlage ereigneten. Als kerntechnische Anlagen gelten dabei Kernkraftwerke, Forschungsreaktoren sowie Anlagen des nuklearen Brennstoffkreislaufs, etwa Urananreicherungs- oder Wiederaufarbeitungsanlagen. Weniger schwere Störfälle sind in der Liste meldepflichtiger Ereignisse in deutschen kerntechnischen Anlagen und in der Liste von Störfällen in europäischen kerntechnischen Anlagen erfasst.
Die INES-Skala wurde 1990 von der International Atomic Energy Agency (IAEA) und der Nuclear Energy Agency (NEA) eingeführt. Ereignisse, die sich zuvor ereigneten, besitzen daher keine zeitgenössische Einstufung; ihre Zuordnung zu einer INES-Stufe erfolgt auf Grundlage nachträglicher Bewertungen durch internationale Organisationen oder in der Fachliteratur. Frühere Ereignisse ohne INES-Einstufung werden in der Liste berücksichtigt, sofern sie Verletzungen oder Todesfälle infolge von Strahlenexposition verursachten.
Nicht enthalten sind radiologische Ereignisse außerhalb kerntechnischer Anlagen, etwa Unfälle mit Strahlenquellen in medizinischen oder industriellen Einrichtungen. Beispiele hierfür sind der Goiânia-Unfall in Brasilien (INES 5), ein Strahlenunfall in einer Bestrahlungsanlage bei Stambolijski im Jahr 2011 (INES 4) oder der 1979 eingetretene Bruch eines Absetzsee-Dammes in den USA.
Die bekanntesten Unfälle in kerntechnischen Anlagen sind die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 und die Nuklearkatastrophe von Fukushima vom 11. März 2011. Neben diesen auslegungsüberschreitenden Unfällen (umgangssprachlich „Super-GAU“) gab es weitere Ereignisse, bei denen es zu erheblichen Freisetzungen radioaktiver Stoffe sowie zu Umwelt- und Gesundheitsschäden kam.
- ↑ INES - Bewertungsskala für nukleare Ereignisse. Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), abgerufen am 8. März 2026.