Opferthese
Die Opferthese (oder Opfermythos) bezeichnet die nationale Externalisierung von Täterschaft und damit die Verdrängung der eigenen Mittäterschaft von Gesellschaft und Individuen, wie in vielen europäischen Staaten hinsichtlich des Nationalsozialismus, aber allen voran in Österreich und dessen Mittäterschaft im Nationalsozialismus, bzw. dessen Verbrechen, inkl. des „Anschlusses“ und nicht zuletzt am Holocaust.
Im Zentrum des Opfermythos steht die Identifizierung Österreichs, des Staats und dessen Volk, als erstes Opfer der nationalsozialistischen Aggressionspolitik. Mittäterschaft, aber auch Widerstand wird verdrängt, und stattdessen wird eine schicksalshafte Opferrolle beschworen und als aus der Verantwortung ziehendes Argument beansprucht, insbesondere gegenüber den Alliierten. Insbesondere die Entwicklung eines "Heldengedenken", markiert durch Kriegerdenkmäler in vielen österreichischen Orten, führte zur Verdrängung des Gedenkens der Opfer, der Anerkennung der (Mit-)Täterschaft und auch des Widerstands, hin zu einer Umkehr der Täter zum Opfer. Opfer von Fremdherrschaft, inkl. der Alliierten Besatzung Österreichs, und des Zweiten Weltkriegs, wobei die Soldaten aus Österreich als pflichterfüllende Opfer stilisiert wurden und auf diese fokussiert wurde. Damit wurde die Opferthese im kollektiven Gedächtnis zur als sogenannten „Lebenslüge“ der Zweiten Republik und der Opfermythos wurde eingereiht in andere Erzählungen der Österreichischen Nationalbewusstseins, wie dem Habsburgermythos, Kaisermythos oder Gründungsmythos.
Zum Ausdruck und zur langsamen Aufarbeitung dessen kam es ab den 1980er, in Österreich insbesondere mit der Waldheim-Affäre.
- 1 2 3 Opferthesen, revisited. In: bpb.de. 17. August 2018, abgerufen am 15. Mai 2025.