Orléanisten

Orléanisten nannte man in Frankreich die Anhänger des Hauses Orléans.

Einerseits war es während der französischen Revolution die Bezeichnung der Parteigänger von Louis-Philippe II. Joseph de Bourbon, duc d’Orléans, (genannt Philippe Égalité). Andererseits bezeichnete man damit seit 1830 die Anhänger von Louis-Philippe I. während der Julimonarchie.

Letztere zählten meist zum gehobenen Mittelstand (Bourgeoisie) und lösten sich mit der Februarrevolution 1848, nach dem Sturz des französischen Königs, auf, da sie nun den rivalisierenden Parteien der Legitimisten, Bonapartisten und Republikaner kaum mehr etwas entgegenstellen konnten.

Nach dem Krieg von 1870/71 traten die Orléanisten wieder mehr in den Vordergrund; ihre ängstliche Behutsamkeit, übertriebene Rücksichtnahme auf die Klerikalen, endlich der Fusionsversuch der konservativen Teile um das Haupt der Familie, den Grafen von Paris, mit den Legitimisten, um nach dem Tod oder der Abdankung des Grafen von Chambord die legitime Nachfolge im Königtum zu sichern, entfremdeten ihnen jedoch viele liberale Mitglieder, die sich der Republik zuwandten. Die entscheidende Schwächung der monarchistischen Bewegung, die zu Beginn der Dritten Republik noch etwa das gleiche politische Gewicht wie die Republikaner und zeitweise auch die Mehrheit im Parlament hatte, trat ein, als der monarchistische Staatspräsident Patrice de Mac-Mahon am 16. Mai 1877 seinen Premier- und Innenminister entließ, beide Republikaner, und durch Monarchisten ersetzte, woraufhin er sich durch eine politische Krise gezwungen sah, Neuwahlen auszuschreiben, bei denen die Republikaner siegten; Mac-Mahon sah sich kurz darauf veranlasst, resigniert zurückzutreten, nicht zuletzt durch den Druck, den der Führer der radikaleren der beiden Republikaner-Fraktionen, Léon Gambetta, ausübte. Insgesamt konsolidierte sich damit die republikanische Regierung.