Orthodoxes Judentum
Das orthodoxe Judentum ist eine der Hauptströmungen des heutigen Judentums neben dem konservativen Judentum, dem liberalen Judentum (bekannt auch als Reformjudentum) und dem Rekonstruktionismus. Das Spektrum der Anschauungen und Unterströmungen, die heute unter der Bezeichnung „Orthodoxie“ zusammengefasst werden, ist sehr breit und differenziert sich über die konkrete Auslegung der Halachah, insbesondere wie sie im Schulchan Aruch kodifiziert wurde. Als eigene Strömung formierte sich das orthodoxe Judentum in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – als Reaktion auf das Aufkommen des Reformjudentums, die jüdische Aufklärung (Haskala) und die Säkularisierung des jüdischen Lebens im Zuge der Emanzipation.
Das heutige orthodoxe Judentum wird häufig in die beiden Hauptrichtungen modern-orthodoxes Judentum und charedisches („ultraorthodoxes“) Judentum unterteilt; allerdings gibt es auch eine sehr konservative Strömung innerhalb der religiös-zionistischen Bewegung in Israel – die Chardal-Bewegung – sowie einen liberaleren Teil, der als „Open Orthodox“ bezeichnet wird. Inwieweit bestimmte historische Gruppen Vorläufer bestimmter heutiger Gruppen sind, ist teilweise umstritten. So wird Rabbiner Samson Raphael Hirsch, dessen Bewegung im 19. Jahrhundert meist als neo-orthodox bezeichnet wird, sowohl von modern-orthodoxen als auch von ultraorthodoxen Juden für sich beansprucht.
Die Bezeichnung „orthodoxes Judentum“ entstand im 19. Jahrhundert als Abgrenzung zum damals entstehenden Reformjudentum.