Paper Mill

Als Paper Mill wird ein Unternehmen bezeichnet, das gegen Geld gefälschte wissenschaftliche Artikel erstellt und diese in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, oftmals in Open-Access-Zeitschriften, publiziert. Ein Autor kann sich auf diese Weise eine Autorschaft in einer Fachzeitschrift kaufen. Im Gegensatz zu den als „räuberisch“ beschriebenen Zeitschriften und Verlagen, die ohne fundierte Prüfung wissenschaftliche, minderwertige oder gar gefälschte Artikel gegen Gebühr veröffentlichen (Predatory Publishing), bieten Paper Mills das Fälschen von Daten und Text sowie das Eingreifen in den Begutachtungsprozess als Dienstleistung an. Manchmal treten die Unternehmen als Dienstleister auf, die lediglich Unterstützung für Autoren anbieten, wie Hilfe beim Verfassen eines Forschungsartikels anhand eigener vorhandener Daten, Übersetzungen oder Lektorate. Erst bei näherer Betrachtung wird offensichtlich, dass gleich ganze Autorschaften erworben werden können.

Kunden der Paper Mills sind Ärzte und Akademiker, die auf diese Weise dem Publikationsdruck entgehen wollen. Die Zahl der Einreichung von gefälschten Forschungsarbeiten, die häufig auch mit gefälschter Autorschaft verbunden sind, nimmt zu und droht die Redaktionsprozesse einer beträchtlichen Anzahl von Zeitschriften zu überfordern. Von dem Problem sind sämtliche wissenschaftlichen Verlage mehr oder weniger betroffen. Erschwerend kommt hinzu, dass von Paper Mills fabrizierte Paper nicht leicht zu identifizieren sind. Es gibt verschiedene methodische Ansätze, die größtenteils viel Zeit in Anspruch nehmen. Es wird erwartet, dass sich das Detektionsproblem durch die Verfügbarkeit von Generativen KIs, die in der Lage sind, plausibel wirkende Rohdaten zu erzeugen, nochmals deutlich verschärfen wird. In einer Studie von 2025 schätzen die Autoren, dass nur 25 % der Paper-Mill-verdächtigen Paper jemals erkannt und zurückgezogen werden.

Täuschung und Fälschung gibt es in der Wissenschaft seit jeher, das Fehlverhalten fand jedoch zumeist auf der Ebene eines oder weniger individueller Wissenschaftler statt. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei den Paper Mills um groß angelegten kommerziellen Betrug, der nicht nur falsche Angaben zur Urheberschaft der Autoren betrifft, sondern durch plagiierte, verfälschte oder erfundene Forschungsergebnisse die gesamte wissenschaftliche Literatur kontaminiert.

  1. Ulrich Herb: Verfahren der Wissenschaftlichen Qualitäts-/Relevanzsicherung/Evaluierung. in: Grundlagen der Informationswissenschaft, herausgegeben von Rainer Kuhlen, Dirk Lewandowski, Wolfgang Semar und Christa Womser-Hacker. DeGruyter 2023, doi:10.1515/9783110769043
  2. Ulrich Herb: Das wissenschaftliche Publikations- und Reputationssystem ist gehackt, Telepolis vom 15. April 2020 [Archivseite bei Archive.org].
  3. 1 2 COPE & STM (Hrsg.): Paper Mills: Research report from COPE & STM. 2022, doi:10.24318/jtbG8IHL (englisch, publicationethics.org [PDF; abgerufen am 10. Juni 2023]).
  4. Frauke Zbikowski: Paper Mills produzieren Fälschungen am laufenden Band, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Januar 2024, abgerufen am 7. Dezember 2024.
  5. Jonathan Wittau, Roland Seifert: How to fight fake papers: a review on important information sources and steps towards solution of the problem. Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 397, 9281–9294 (2024). doi:10.1007/s00210-024-03272-8
  6. Layal Liverpool: AI intensifies fight against ‘paper mills’ that churn out fake research. Nature 618, 222–223 (2023). doi:10.1038/d41586-023-01780-w
  7. Anna Abalkina: Paper mills: challenges, current understanding and unanswered questions. Webinar-Vortrag vom 18. April 2024 für das METRICS International Forum des Meta-Research Innovation Center at Stanford. Youtube-Video, abgerufen am 1. Februar 2025.