Pflegenotstand

Pflegenotstand ist ein politisches oder berufspolitisches Schlagwort in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Es bezeichnet einen akuten Personalmangel, vor allem in den Pflegeinstitutionen. Es wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren in der Bundesrepublik Deutschland erstmals verwendet, als durch die Ausweitung der Krankenhäuser dort zur Abwendung von massivem Personalmangel vielfach ausländisches Pflegepersonal eingesetzt wurde.

Der in den Jahren nach 2000 herrschende Personalmangel beruht zum großen Teil auf dem Finanzierungssystem der Heime und Sozialstationen. In Deutschland hängt dieses mit der Pflegeversicherung eng zusammen, so dass weiteres Pflegepersonal selbst dann nicht eingestellt werden könnte, wenn auf dem Arbeitsmarkt genügend Kräfte vorhanden wären.

Der Begriff Pflegenotstand kritisiert auch die als unzureichend angesehenen gesundheitspolitischen Reaktionen auf diese Situation. Als Haupttreiber des Pflegenotstands werden genannt: der demographische Wandel, schlechte Arbeitsbedingungen im Pflegebereich, unterdurchschnittliche Gehälter, der Einfluss von Zeitarbeitsfirmen, der Trend zur stationären Pflege und die Tatsache, dass mehr und mehr Angehörige ihre Pflegetätigkeit einstellen.

Sowohl die Pflegeversicherung in Deutschland als auch das Pflegegeld in Österreich decken nicht die Kosten einer permanenten häuslichen Pflege. Aus diesem Grund entstand ein neuer Typ von Arbeitsmigration: die Care-Migration aus dem Ausland, die oft mit einem illegalen Arbeitsverhältnis einhergeht. In Deutschland arbeiten vor allem Polinnen, in Österreich Slowakinnen unter nicht geregelten Arbeitsbedingungen und für einen Niedriglohn in der häuslichen Pflege.

  1. Pflegenotstand – Ursache, Ausblick und Lösungen. In: Careloop. 29. Juni 2020, abgerufen am 6. Juli 2020 (deutsch).