Phrenologie

Die Phrenologie (von altgriechisch φρήν phrēn „Geist, Gemüt, Zwerchfell, Körpermitte, Seele“ und -logie) ist eine zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus der von dem Arzt und Anatomen Franz Joseph Gall formulierten Lokalisationslehre oder „Schädellehre“ entwickelte topologisch ausgerichtete Lehre, die versuchte, geistige Eigenschaften und Zustände bestimmten, klar abgegrenzten Hirnarealen zuzuordnen. Dabei wurde ein Zusammenhang zwischen Schädel- und Gehirnform einerseits und Charakter und Geistesgaben andererseits unterstellt. Die Benennung als Phrenologie erfolgte ab 1815 auf Vorschlag des englischen Naturforschers Thomas Forster. Der wissenschaftliche Wert von Galls Theorie war aufgrund ihrer praktisch nicht vorhandenen empirischen Begründung von jeher umstritten und wird heute weitgehend als Pseudowissenschaft angesehen.

Die Phrenologie (als „Seelenlehre“) ist zu unterscheiden von der von ihr und ihrem Pionier Gall beeinflussten Kraniologie („Schädelkunde“) bzw. von der Kraniometrie („Lehre von der Schädelvermessung“) als Werkzeug der Rassenkunde.

  1. Dean Keith Simonton: Creative Ideas and the Creative Process: Good News and Bad News for the Neuroscience of Creativity. In: Rex E. Jung, Oshin Vartanian (Hrsg.): The Cambridge Handbook of the Neuroscience of Creativity. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-14761-4, S. 9.
  2. Sigrid Oehler-Klein: Die Schädellehre Franz Joseph Galls in Literatur und Kritik des 19. Jahrhunderts. Zur Rezeptionsgeschichte einer medizinisch-biologisch begründeten Theorie der Physiognomik und Psychologie. Stuttgart / New York 1990 (= Soemmering-Forschungen, 8).
  3. Kornelia Grundmann: Die Rassenschädelsammlung des Marburger Museum Anatomicum als Beispiel für die Kraniologie des 19. Jahrhunderts und ihre Entwicklung bis zur Zeit des Nationalsozialismus. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 13, 1995, S. 351–370; hier: S. 351.