Präzession

Die Präzession bezeichnet die Richtungsänderung, die die Rotationsachse eines rotierenden Körpers (Kreisel) ausführt, wenn eine äußere Kraft ein Drehmoment senkrecht zu dieser Achse ausübt. Dabei beschreibt die Rotationsachse einen Umlauf auf dem Mantel eines gedachten Kegels mit fester Kegelachse. Anschaulich zeigt sich die Präzession beim Tischkreisel, der trotz Schiefstellung nicht umkippt, solange er – schnell genug – rotiert.

Speziell in der Astronomie ist mit Präzession die Richtungsänderung der Erdachse gemeint, die eine Folge der Massenanziehung des Mondes und der Sonne in Verbindung mit der Abweichung der Erdfigur von der Kugelform ist.

Die Erdachse beschreibt dabei in guter Näherung einen Kegel, dessen Achse rechtwinklig auf der Ebene der Ekliptik steht; der halbe Öffnungswinkel des Kegels ist gleich der Schiefe der Ekliptik von etwa 23,5°. Diese Präzession der Erdachse beschreibt die langsame Kreisbewegung der Rotationsachse "relativ zum Fixsternhimmel" und dauert etwa 25.700 bis 25.850 Jahre (Platonisches Jahr). Klimatisch relevant ist jedoch die sogenannte präzessionsbedingte Verschiebung des Frühlingspunktes auf der elliptischen Erdbahn, deren Wirkung auf die saisonale Einstrahlung nur bei signifikanter Exzentrizität spürbar wird. Diese "klimatische Präzession" hat eine Zyklusdauer von etwa 21.000 bis 23.000 Jahren und ist ein zentraler Bestandteil der Milanković-Zyklen. Damit dreht sich zugleich auch die Ebene des Äquators, auf der die Erdachse stets rechtwinklig steht, so dass die Richtung des Frühlingspunktes, in der sich der Äquator mit der Ekliptik schneidet, in der Ekliptik um rund 50″ pro Jahr voranschreitet. Daraus leitet sich die Bezeichnung Präzession (lateinisch für ‚Voranschreiten‘) her.