Primärprozess
Mit Primärprozess werden in mancher psychoanalytischen Literatur alle Vorgänge des unbewussten Seelenlebens bezeichnet, die nach dem Lustprinzip ablaufen. Freud, der den Begriff im letzten Kapitel der Traumdeutung der Sache nach eingeführt hat, spricht in seinem Werk durchgängig von Primärvorgang.
Demgegenüber bestimmen Sekundärprozesse die Beziehung zwischen Vorbewusstem und Bewusstem. Von Primärprozessen wird die frühe Kindheit ganz erfüllt, später sind diese Vorgänge hauptsächlich in Träumen, Phantasievorstellungen und Tagträumen anzutreffen. Die seelische Energie (Libido) fließt bei den Primärprozessen frei von einer Vorstellung zur anderen, bei den Sekundärprozessen sind dabei Zensuren wirksam, die sich im Sinne des Realitätsprinzips in Form von Abwehrvorgängen auswirken. Die Primärprozesse decken sich also weitgehend mit dem Lustprinzip.
- ↑ Sigmund Freud: Die Traumdeutung. (1900) (online bei Gutenberg), folgende Seitenangaben anhand der Taschenbuchausgabe der Fischer-Bücherei, Aug. 1966; (a) zur Definition des Primärvorgangs: Kap. VII. "Zur Psychologie der Traumvorgänge", S. 489; (b) zu einigen Charakteristika von Primärvorgängen: Kap. VI. "Die Traumarbeit", S. 234 ff.; (c) zu Urworten: Kap. VI. Die Traumarbeit, S. 265 f.
- 1 2 Primärvorgänge. In: Wilhelm Karl Arnold u. a. (Hrsg.): Lexikon der Psychologie. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-508-8; Sp. 1680.
- ↑ Primärvorgänge. In: Uwe Henrik Peters: Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie. Urban & Schwarzenberg, München 1984, S. 424. 6. Auflage, Elsevier-Verlag, München 2007, books.google.de