Prinzip der wohlwollenden Interpretation

Das Prinzip der wohlwollenden Interpretation fordert, dass man Ideen, gegen die man argumentiert, im bestmöglichen Licht darstellt. Insbesondere in der Philosophie und Rhetorik sollen demnach alle Äußerungen von Diskurspartnern als rational und, bei Meinungsverschiedenheiten, in ihrem bestmöglichen, stärksten Sinn verstanden werden. Ziel dieses methodologischen Prinzips ist, den Aussagen Anderer nicht Irrationalität, Trugschlüsse oder Unwahrheiten zuzuschreiben, wenn eine schlüssige, rationale Interpretation ebenfalls möglich ist. Nach Simon Blackburn „zwingt es den Hörer dazu, die Wahrheit und Rationalität in den Äußerungen des Anderen zu maximieren.“ Argumente, die absichtlich gegen das Prinzip der wohlwollenden Interpretation verstoßen, können unter die Strohmann-Argumente gezählt werden.

  1. Normand Baillargeon: Intellectual Self-Defense. Seven Stories Press 2007, S. 78. Original: “we have to keep in mind the principle of charity according to which we must present the ideas we are contesting in the most favorable light.”
  2. Simon Blackburn: The Oxford Dictionary of Philosophy. Oxford University Press, Oxford 1994, S. 62 (englisch).
  3. Original: "it constrains the interpreter to maximize the truth or rationality in the subject’s sayings."