Problemlösen
Das Problemlösen (sowie die Problemlösung) ist eine Schlüsselkompetenz von Personen, die darauf abzielt, erkannte Probleme durch intelligentes Handeln, durch bewusste Denkprozesse zu beseitigen.
Grayson H. Wheatleys launige Definition „Problemlösen ist das, was man tut, wenn man nicht weiß, was man tun soll“ verweist auf die Unzufriedenheit mit einem Ist-Zustand als Ausgangspunkt einer Problemlösung, der durch Problemlösen zu einem Soll-Zustand verändert werden soll. Die Abfolge unterschiedlicher Schritte auf dem Weg bezeichnet man als Problemlösungsprozess. Erforscht werden die Grundlagen von der Kognitiven Psychologie, der Kognitionswissenschaft und der Entscheidungstheorie.
Karl Duncker definierte 1935/1974: „Ein ‚Problem‘ entsteht z. B. dann, wenn ein Lebewesen ein Ziel hat und nicht ‚weiß‘, wie es dieses Ziel erreichen soll. Wo immer der gegebene Zustand sich nicht durch bloßes Handeln (Ausführen selbstverständlicher Operationen) in den erstrebten Zustand überführen lässt, wird das Denken auf den Plan gerufen. Ihm liegt es ob, ein vermittelndes Handeln allererst zu konzipieren.“
Der Wissenschaftsphilosoph Karl Popper verstand unter Problemlösen einen universellen, evolutionären Prozess der sich durch ständige und aktive Instruktion und Fehlerbeseitigung sowie innerhalb der wissenschaftlichen Methodik durch Falsifikation und kritische Prüfung vollzieht. Thomas Kuhn stellte dem ein Modell gegenüber, in dem Phasen von „Normalwissenschaft“, die durch das Lösen von „Puzzles“ geprägt sind, erst durch revolutionäre „Paradigmenwechsel“ zu Problemlösung führen können. Popper lehnte dies entschieden ab, bis Kuhn später einzelne Aspekte seiner ursprünglichen Position relativierte und Teile der Kritik an seinem Modell als Missverständnisse erklärte – eine Entwicklung, die Popper, trotz anhaltender Skepsis, anerkannte.
- ↑ "What you do when you don't know what to do"; in: G. H. Wheatley: Problem solving in school mathematics. In: MEPS Technical Report 84.01. Purdue University, School of Mathematics and Science Center, West Lafayette (Indiana) 1984, S. 1.
- ↑ Karl R. Popper: Erkenntnis und Evolution. Zur Verteidigung von Wissenschaft und Rationalität. Hrsg.: Hans-Joachim Niemann. Band 13. Mohr Siebeck, Tübingen 2015, ISBN 978-3-16-150348-1, S. 300 (525 S.).Fehler in Vorlage:Literatur – *** Parameterformat: Sprachcode: 'de' statt 'Deutsch' verwenden
- ↑ Karl Raimund Popper: All Life is Problem Solving. Psychology Press, 1999, ISBN 978-0-415-17486-2 (google.de [abgerufen am 29. August 2025]).
- ↑ Thomas Samuel Kuhn: The Structure of Scientific Revolutions. 1962, abgerufen am 29. August 2025 (englisch).
- ↑ Karl Popper: Realism and the Aim of Science: From the Postscript to The Logic of Scientific Discovery. Routledge, 2013, ISBN 978-1-135-85888-9, S. xxxiv (google.de [abgerufen am 29. August 2025]).
- ↑ T. S. Kuhn: Reflections on my Critics. In: Criticism and the Growth of Knowledge: Proceedings of the International Colloquium in the Philosophy of Science, London, 1965. Band 4. Cambridge University Press, Cambridge 1970, ISBN 978-0-521-09623-2, S. 231–278 (cambridge.org [abgerufen am 29. August 2025]).
- ↑ Karl Popper: The Myth Of The Framework. 1993, S. 63; 19 (archive.org [abgerufen am 29. August 2025]).