Reaktionsnorm
Als Reaktionsnorm bezeichnet man in der Genetik die Variationsbreite des Phänotyps, die sich aus demselben Genotyp bei unterschiedlichen Umweltfaktoren entwickeln kann. Eingeführt wurde der Begriff 1909 von Richard Woltereck; synonym wird auch von Modifikationsbreite gesprochen.
Setzt man erbgleiche Lebewesen verschieden beschaffenen Umwelten aus, so werden sie in vielen Merkmalen unterschiedliche Erscheinungsformen entwickeln. Setzt man umgekehrt genetisch unterschiedliche Lebewesen der gleichen Art der gleichen Umwelt aus, so entwickeln sie allein aufgrund der unterschiedlichen Allele verschiedene Erscheinungsformen. In realen Populationen in realen Lebensräumen herrscht deshalb eine phänotypische Variabilität, die sowohl auf die genetische Variabilität zwischen den Individuen als auch auf die Variabilität der individuell erlebten Umweltparameter zurückgeht. Die phänotypische Veränderung, die nicht durch unterschiedliche Gene, sondern durch unterschiedliche Umwelteinflüsse hervorgerufen wird, nennt man Modifikation.
- ↑ Woltereck R. (1909): Weitere experimentelle Untersuchungen über Artveränderung, speziell über das Wesen quantitativer Artunterschiede bei Daphniden. Verhandlungen der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, 1909:110-172 (online).
- ↑ Stearns S. C., J. C. Koella (1986): The Evolution of Phenotypic Plasticity in Life-History Traits: Predictions of Reaction Norms for Age and Size at Maturity. Evolution, Vol. 40, No. 5., S. 893–913. (PDF; 5,6 MB)
- ↑ Ernst Mayr: Das ist Evolution. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2005, ISBN 9783442153497, S. 118.
- ↑ Gabriel W., M. Lynch (1992): The selective advantage of reaction norms for environmental tolerance. Journal of Evolutionary Biology 5:41–59. (PDF; 1,0 MB).