Rockwell-MBB X-31

Rockwell-MBB X-31
TypExperimentalflugzeug
Entwurfsland
Hersteller * Rockwell International
Erstflug 11. Oktober 1990
Stückzahl 2

Die X-31 war ein einstrahliges Experimentalflugzeug aus US-amerikanisch-deutscher Koproduktion. Das Flugzeug auf Basis des Entwurfs Taktisches Kampfflugzeug 90 (TKF-90) diente zur praktischen Erprobung der Schubvektorsteuerung für Flüge jenseits des maximalen dynamischen Anstellwinkels. Das Konzept, auch nach dem Erreichen des maximalen Anstellwinkels noch kontrolliert weiterfliegen zu können (englisch post-stall technology, PST), wurde von Messerschmitt-Bölkow-Blohm Ende der 1970er-Jahre erfunden und sollte die Manövrierfähigkeit zukünftiger Kampfflugzeuge erhöhen. MBB und vor allem der Projektleiter und „Vater der X-31“, Wolfgang Herbst, sahen in der von ihnen so genannten Supermaneuverability eine Antwort auf die neuen infrarotgelenkten Kurzstrecken-Luft-Luft-Raketen, die Ziele aus jedem beliebigen Winkel ausschalten können, und nicht mehr nur von hinten. Der Programmmanager Robinson wies darauf hin, dass das X-31-Projekt eines der wenigen mit reverse technology flow für die Vereinigten Staaten sei, das heißt, dass die Vereinigten Staaten vom Wissen anderer profitieren würden, was bis dahin in größerem Umfang nur durch systematische Auswertung der Hochtechnologie des Dritten Reichs (im Projekt Paperclip) zu erheblichem Know-How-Transfer von Deutschland in die USA gelungen war.

Die X-31 war das erste X-Flugzeug der Vereinigten Staaten, das in internationaler Kooperation entstand, das erste Kampfflugzeug, dessen Schubvektorsteuerung (SVS) eine Kontrolle der Bewegungen sowohl um Nick- als auch Gierachse ermöglichte, und das erste, das ausschließlich mit dem Steuerknüppel geflogen werden konnte. Die quasi seitenleitwerkslosen Testflüge waren bei der Wiederaufnahme eines neuen Erprobungsabschnitts nach der Reaktivierung der X-31 nach vierjähriger Pause (eingelagert in Palmdale/Kalifornien) auch die ersten, in denen ein Flugzeug ohne die stabilisierende Wirkung eines Seitenleitwerks Überschallgeschwindigkeit erreichte. Ferner wurden ein 3D-Audiosystem und eine virtuelle Zieldarstellung durch erweiterte Realität erprobt. Zur gleichen Zeit wurden von der NATO RTO Working Group 27 Meinungsumfragen unter erfahrenen Piloten zu den Themen 3D-Schubvektorsteuerung, 12-g-Flugenveloppe, Helmvisier und negative G-Lasten durchgeführt, um die Nützlichkeit dieser Konzepte bewerten zu können.

Der Rollout fand am 1. März 1990, der Erstflug am 11. Oktober desselben Jahres statt. Es entstanden zwei Exemplare, von denen eines während der Versuche abstürzte. Die Amerikaner verwendeten die X-31 nur für allgemeine Versuche, zum Beispiel für Luft-Boden-Angriffe im JAST-Programm, und die US Navy war an den Vorteilen der Schubvektorsteuerung (SVS) bei Landungen auf Flugzeugträgern interessiert. Deutschland und andere Länder, die eine Beteiligung am X-31-Programm anstrebten, wollten dagegen die Schubvektorsteuerung (SVS) in Eurofighter Typhoon bzw. Saab 39 Gripen implementieren und die X-31 als Testflugzeug für Düse und Triebwerk verwenden. So sollte das Triebwerk Eurojet EJ200 mit Schubvektordüse in die X-31 im Rahmen eines deutsch-spanisch-amerikanischen Abkommens eingebaut und geflogen werden; aus verschiedenen Gründen kam dies jedoch nicht zustande.

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  1. Die moderne Demonstration von „Supermanövrierfähigkeit“ besteht meist darin, bei Flugschauen in den Strömungsabriss zu ziehen, um möglichst spektakuläre Drehungen zu vollführen. Der Geschwindigkeitsverlust ist dabei sehr hoch. Mit der ursprünglichen Idee von Wolfgang Herbst bzw. Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) hat das wenig zu tun. Herbst postulierte damals folgende Manöver-Charakteristiken: 1) 5 Sekunden PST-Dauer im Durchschnitt, 2) 10 % der gesamten Nahkampfzeit im PST, 3) geringe G-Lasten von etwa 1 g, 4) geringere Manövergeschwindigkeiten von etwa 0,1 Mach (W. Herbst: Supermaneuverability. 1983, Messerschmitt-Bolkow-Blohm; sowie Introduction der RTO HFM Lecture Series Human Consequences of Agile Aircraft. 2001). Die PST-Manöver sollten also nur für Transienten eingesetzt werden, beispielsweise um statt einer langsamen Wende die Nase aufzurichten, um eine noch engere Kurve zu fliegen (Herbst-Manöver). Der Gedanke, eine 20-Tonnen-Maschine in den Strömungsabriss zu wuchten, und sie dann durch ihre Massenträgheit weiterfliegen zu lassen, war ihm völlig fremd.